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So will ich nun, schrieb er, dcsselbigen gleichen von denWeibern, daß sie im zierlichen Kleide mit Scham undZucht sich schmücken. Aber, setzte er hinzu, nicht mit Zöpfenoder Gold, oder köstlichem Gewand! (1. Tim. 2, 9.) Sowarnte dieser Jesusjünger, wie in Allem, auch hier vor ver-derblicher Ucbertreibung und vor dem Unfug eines Aufwandes,der zu einer Zeit, da die meisten Christen in Armuth und Ver-folgung schmachteten, um so tadelnswürdiger und anstößigersein mußte. Er gebot den Christinnen, sich zwar in zierlichemKleide, doch mit Scham und Zucht zu schmücken, und nicht inäußere Pracht den höchsten Werth zu setzen.
Und es ist allerdings eine widernatürliche Entartung desVerschönerungstriebes, wenn man, statt die natürlicheAnmuth durch Wahl des Schmuckes zu erheben,den Schmuck selbst zur Hauptsache macht. Nicht er istdie wahre Schönheit des Weibes, sondern es ist der aus allenGeberden hervorstrahlende Reiz der Unschuld, Sittsamkeit,Demuth, Zucht und Holdseligkeit. Diesem Reiz, dieser dasAeußere verklärenden Seelenschönheit soll das Gewand undder Schmuck entsprechen. In ihm sollen die stillen weiblichenTugenden so redend wohnen, wie in der Ordnung, Zierde undLieblichkeit der Wohnungen. Der kostbare Stoff, das theureJuweel kann Reichthum verkünden, kann den kleinlichen Stolzverrathen, seine Herrlichkeit vor den Leuten zur Schau herum-zutragen : aber die Schönheit wird dadurch nicht gehoben,sondern verdunkelt. Wer findet ein prunkendes Weib unddessen Hoffart erträglich, oder die Jungfrau durch Eitelkeitliebenswürdig, die sie nicht verhehlen kann?
Wer allen Werth auf sein Aeußerliches setzt,bekennt damit, daß er den höhern innern Werth frei-willig versäumt, oder schon verloren hat. Niemandehrt und liebt das Weib, weil es Schmuck trägt, sondern derSchmuck gefällt erst, wenn ihn Anmuth und Tugend des Weibesadeln. Die unmäßige Beschäftigung mit Verzierung seinesAcußern, jene Putzsucht, durch welche eine edle Zeit des Lebensverschwendet und die Vollstreckung weit heiligerer Pflichten