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der Liebe, durch die sanfte Gewalt der Schönheit die roßenSitten mildert, empfänglich für zarte Empfindungen und edlereFreuden macht. Und diesen göttlichen Beruf, den die Naturtief in des Weibes Wesen legte, behauptet es auch fortdauerndunter denjenigen Völkern, welche schon höhere Stufen derBildung erstiegen haben.
Der Sinn für das Schöne und das Wohlgefallen an dem-selben ist immer das erste, was bei wilden Volksstämmen erwacht,sobald sie sich aus ihrer rohesten Thierhcit zu erheben anfangen,in der sie auf nichts als Nahrung und Schutz ihres Leibesbedacht find. Das Gefühl der Schönheit im Irdischen erhebt siebald auch zur Empfindung und Liebe des Geistigschönen. Baldgewährt ihnen der Anblick des blutigen Schädels von einemErschlagenen weniger Lust, als die Dankbarkeit dessen, den siedurch Großmuth besiegten; und die kalte Pracht eines Triumph-zugcs durch verwüstete Gegenden entzückt sie weniger, als derBeifall, welchen das Auge eines geliebten Weibes ihnen zumLohn menschlichem Verfahrens lächelt.
Stärke und Kühnheit ward dem Mann gegeben; Milde undSchönheit sind die Gewalt des Weibes, mit der es den Trotz desMannes entwaffnet und das Gleichgewicht unter den Menschenwiederherstellt. Der Mann wünscht Ehrfurcht einzuflößen durchKraft, das Weib Wohlgefallen und Liebe durch Anmuth. Daherist der Verschönerungstrleb dem weiblichen Geschlecht bei allenVölkern und unter allen Himmelsstrichen eigenthümlich. Er istSache der Natur. Die rohesten Wilden schmücken sich mitFedern, Korallen, Muscheln und Blumen. Sie haben dieKunst von keinen andern Völkern gelernt. Ihre Lehrerin wa»die Narur, und Gott legte das Gesetz der Schönheit in seineSchöpfungen, und das Gefallen an derselben in aller Sterb-lichen Herz.
Dies Gefallen, dieser Trieb, das Schöne aufzufindcn undum sich her zu verbreiten, ist bei dem weiblichen Geschlechte amlebhaftesten und zartesten. Durch körperliche Reizbarkeit undSchwäche gehindert, an den rauhen und verwegenen Unter-nehmungen des Mannes Antheil zu nehmen, steht das Weib