durch eigenen Fleiß gewonnener und benutzter Pfenning größer«Werth hat, als der Goldklumpen in des Geizigen Kasten.
Andere, denen die Natur eine reizbare Einbildungskraft ver-lieh, und deren ist die große Zahl, bilden dies Seelenvcrinögenins Ungeheure und Mißgeburtartige aus. Sie gewöhnen sich,Alles nur auf die Unterhaltung ihrer Phantasie zuleiten. Was damit in keiner Verbindung steht, wird ihnentrocken, widerlich, lästig. Bald müssen ihnen gründliche und'nützliche Kenntnisse, bei denen Gedächtniß, Urtheilskraft undScharfsinn erforderlich sind, zum Ekel werden. Sie wollen nur,was ihre Einbildungskraft kitzelt, und halten dies für das Höchsteund Edelste. Sie sammeln aus dem Gebiet menschlicher Er-kenntniß nur das, was darauf Bezug hat, was sie nicht ermüdet,was ohne Anstrengung erworben werden kann, und allenfallsnoch ihre Neugierde sättigt. Dadurch entspringt die geckenhafte,hohle Vielwisserci, welche eben darum nur Halbwisserei ist, undglänzt und schimmert, ohne innern Werth zu haben. Dadurchwird die Neigung zum stolzen, voreiligeN'Absprcchen genährt,welche das unfehlbare Kennzeichen einer blöden Urtheilskraft undsich selbst genügender Unwissenheit bleibt. Dadurch entsteht jeneAbneigung gegen nützliche, ernste Arbeiten und Beschäftigungen,zu welcher ein ganz anderer Aufwand von Kräften, als einspielender Witz, als ein träumendes Dichtungsvermögen, er-fordert wird. Aber diese Kräfte mangeln den Unglücklichen,denn im Geistesmüßiggang des Viellesens blieben sie ungeübtund erschlafften. Personen dieser Art beurkunden nur zu baldüberall ihre Unbrauchbarkeit zu den Gewerben des Lebens, undjammern, wenn man sie verkennt, während sie eben deswegennicht das Maß der ihnen wünschenswerthen Achtung empfangen,weil man sie gut kennt.
Wie viele leben, verdorben durch den Fehlerder Lesesucht, welche für ihren nachmaligen Standund Beruf nicht passen; Männer, die, ohne Würdigkeitund Kraft zum Bessern, sich immerdar aus ihrem ihnen zu kleinscheinenden Wirkungskreise hinwegsehnen; Weiber, die in denFreuden und Leiden und Sorgen des ehelichen Standes und