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5 (1837) Andachtsbuch für die Jugend
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gescholtene Quelle des Sittenverderbens und des Mangels anKraft und Religiosität.

Die Lesesucht ist eine unmäßige Begierde,seinen eigenen, unthätigen Geist mit den Ein-bildungen und Vorstellungen Anderer aus derenSchriften vorübergehend zu vergnügen. Man liefet,nicht um sich mit Kenntnissen zu bereichern, sondern um zulesen, man liefet das Wahre und Falsche prüfungslos durch-einander , ohne Wißbegier, sondern mit Neugier. Man liefetund vergißt. Man gefällt sich in diesem behaglichen, ge-schäftigen Geistcsmüßiggang, wie in einem träumenden Zu-stande.

Das bloße Lesen, ohne ernsten Willen , Belehrung oderBesserung zu gewinnen, ist wirklicher Müßiggang desGeistes. Denn der Geist, so lange er nur fremde Vorstellungenan sich vorüberglciten läßt, verhält sich leidend; und wenn ervon diesen Vorstellungen keine zurückbehaltcn kann oder mag,wird ihm das Ganze so wenig werth, als ein Traum. Erhalteeine kostbare Zeit verschwendet. Die Zeitverschwcndung aberist nicht der einzige Schaden, welcher aus der Vielleserei ent-steht. Es wird dadurch die geistige Ruhe und Unthätigkeit, dieBegierde, Andere für sich denken zu lassen, zum Vedürfniß.Es wird das Müßiggehen zur Gewohnheit, und bewirke, wiealler Müßiggang, eine Abspannung der eigenen Seelen-kr äste.

Doch diese Wirkung äußert sich bei Menschen von verschie-denen Anlagen auf verschiedene Weise. Diejenigen zum Beispielwelche ein vortreffliches natürliches Gedächtniß besitzen, häufendurch ihre Lest'-ei eine Menge nützlicher und unnützer Kenntnissein ihrem Gedächtnisse auf, aber auf Unkosten ihres eigenen Denk-vermögens. Das Gelesene geht nicht in ihr ganzes Wesen über,sondern bleibt roh und todt, wie die Speisen im Magen deSVielfressers, dessen Gesundheit durch das Uebermaß der Nahrungweit mehr geschwächt, als genährt wird. Eine sclbstgcdachteWahrheit ist weit mehr werth, als ein Tausend anzehörter Wahr-heiten , die segcnslos im Gedächtnisse liegen bleiben, so wie ein