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5 (1837) Andachtsbuch für die Jugend
Entstehung
Seite
119
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lichen Gesellschaft vorhandenen Schätze von Kenntnissen zuseiner eigenen geistigen Vervollkommnung aufsammeln. Essoll durch sein körperliches Unvermögen gezwungen werden^bei seinen Aeltcrn und in der Gesellschaft Seinesgleichen zuverharren. Wäre es nach einer Frist von einigen Monatenfähig, sich aus eigener Kraft alles Nöthige zu verschaffen, sowürde es eben so schnell, wie jedes andere Thier, hinauseilenin die Freiheit und Wildheit, und für Speise, Trank undHöhle sorgen sein Leben lang, ohne zur Wahrnehmung der inihm wohnenden Hähern Kraft zu kommen. Nun aber dient dieSchwäche seines zarten Körpers, daß sein Geist erstarke. Eshört und lernt, was die vergangenen Menschengeschlechter er-fahren haben. Im Geiste des Kindes verjüngt sich gleichsamdie ganze Vorwelt wieder, und blüht in neuer Macht. Wasvor Jahrtausenden Moses gethan, Christus gelehrt, die Apostelgeschrieben, thun, lehren und schreiben sie dem kaum gcbornenKinde. Die ganze Menschheit lebt für dasselbe, und cs wirdeins mit derselben. Das göttliche Geistcrreich ist nur eine einzigegroße Familie; Wcltgegcnden und Jahrtausende machen nurin irdischen Dingen Unterschied, aber im Geiste ist Alles einEiniges, weilAlles ein Ewiges ist.

Dann tritt das allmälig gereifte Kind selbstständig ins LebenalsIüngling, alsIungfrau; mit den großen Erfahrungender Vergangenheit, uni sie auf die Gegenwart anzuwcnden,unter dunkeln Ahnungen der Zukunft. Von Neuem erscheintdie Gewalt der Natur, um die Bande der menschlichen Ge-sellschaft fester zu ziehen. Der Jüngling wäre zwar fähig,sich selbst die ersten Lebensbedürfnisse zu verschaffen; seine körper-lichen Kräfte sind stark genug: aber er kann dennoch die Gesell-schaft nicht verlassen. Die Liebe hält ihn mit unwiderstehlicherMacht zurück.

Auch das Thier wird von diesem Gesetze geleitet; aber eskennt nicht die Liebe. Es wird von Gewohnheiten gefesselt,aber es kennt nicht den Zauber der Freundschaft; cs hat einempfängliches, oft treues Gedächtniß, aber die selbstschaffendcEinbildungskraft ist ihm unbewußt.