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5 (1837) Andachtsbuch für die Jugend
Entstehung
Seite
118
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nöthig haben. Der bloße Naturtrieb würde uns Alles so schnelllehren, wie durch ihn die Thicre unterrichtet werden. DasWichtigste in uns ist nicht die Pflege des Leibes, sondern Ent-wickelung der geistigen Kräfte zum höhern Dasein, zum un-sterblichen Fortdauern. Und für das Ewige sind zwanzig Jahreder Kindheit wahrlich ein unendlich geringerer Zeitraum, alsfür ein hundertjähriges Thierleben die kurze Kinderzeit von" etlichen Monaten.

Zur Entwickelung der Geisteskräfte ist das Leben der Geistermit Geistern, der Menschen mit Menschen, nothwendig, daßEiner sich durch die Einsichten und Erfahrungen des Andernbelehre, erhebe, veredle. In jedem einzelnen Menschen sollgleichsam immer das Licht der ganzen Menschheit leuchten, daßer die heilige Flamme vermehre und Andern mittheile. Um dieMenschen zum gesellschaftlichen Beisammensein durch die stärkstenMittel zu nöthigen, machte Gott dem Kinde einen vieljährigenBeistand der Acltcrn nothwendig. Roh und thierisch würdeder Sterbliche geblieben sein, wenn er sich Seinesgleichen, wieandere Geschöpfe, in der Begattungs - und Brunstzeit nur kurzeZeit gefreut, und dann wieder ein einsames Leben für sich ge-sucht hätte; oder wenn er, nach einer nur mondenlangen Kind-heit, stark genug gewesen wäre, sich selber zu helfen. Da würdekein Reiz zu gegenseitiger Mittheilung und Belehrung, kein ge-meinschaftliches Verschönern des Lebens, keine Vereinigung vielerKräfte zu einem großen Unternehmen, kein Austausch von viel-seitigen Erfahrungen, kein edler Wetteifer um das Vollkommenstestatt gefunden haben.

Das Kind und die lange Dauer menschlicher Kindheit istalso die große, für Veredlung des Sterblichen nothwendigeVeranlassung zum bleibenden Beisammenleben der Familienund Völker. Nicht das Wohlsein des Leibes, sondern desGeistes, ist von dieser Einrichtung der letzte Zweck.

Aber diese Kinderjahre und deren Unbehilflichkeit mußtenauch für das Kind und dessen Geist aus gleicher Ursache vonlängerer Dauer als beim Thiere sein. Denn das Kind soll dieWeisheit und die Tugenden seiner Aeltern, die in der mensch-