besorgt und ernährt werden, und wir desto länger ihr Spielund ihre Freude sein können! >— Wozu dies? Wie soll ichdarin die Weisheit des Schöpfers erkennen, die sich nirgends,auch nicht in der Lcbenseinrichtung und Erhaltungsart deskleinsten Mooses, verläugnet? Warum bleibt der Mensch ineiner so außerordentlich langen Unbeholfenheit, da alle Thicreviel schneller aus derselben hervorgehcn, also darin wesentlichenVorzug vor den Menschen haben? Wenige Monate nach ihrerGeburt entfernen sich die meisten Thiere von ihrer Mutter, undsuchen ihre Nahrung selbst. Die jungen Löwen durchstreichendie Wildniß nach Raub; die kaum dem Nest entschlüpften Vögelerkennen im Walde ihr Futter; die Raupen, wie sie aus ihremEi hervorkricchen, welches die längst vcrwcsete Mutter legte,entdecken und verzehren die ihnen gedeihliche Speise. Alle andernGeschöpfe können sogleich ihre schnell entwickelten Kräfte ge-brauchen, sich selber Höhlen und Nesterbauen, sich selbst be-schützen — nur der Mensch nicht.
Arm und nackt, ohne natürliche Waffen, ohne eine ihm vonder Natur verliehene Bekleidung, tritt er in die Welt. Es gehtein Jahr vorüber, ehe er nur fähig ist, auf seinen schwachenFüßen ohne fremden Beistand zu laufen. Es gehen noch einigeJahre dahin, ehe er nur reden lernt, um seine Aeltern undBrüder und Schwestern ganz zu verstehen, oder sich ihnen mit-zutheilen. Es verlaufen wieder andere Jahre, ehe er Kräftegenug hat, sich selber die dringendsten seiner Bedürfnisse anzu-schaffen. So verstreicht ein Zeitraum von sechszehn, zwanzigund mehrern Jahren, bevor er der Pflege seiner Erzieher undder gänzlichen Unmündigkeit entwachsen ist.
Betrachten wir diese langwierige Unbeholfenheit nur ausdem Gesichtspunkt des bloß sinnlichen Lebens, so muß sic unssehr zwecklos und traurig erscheinen. Welch eine Zeit geht ver-loren, che wir unser selbst ganz mächtig werden, um dasLeben genießen zu können! Der kleinste Wurm übertrifft unsin dieser Rücksicht.
Aber wir sind keine Thiere. Wären wir nichts als solche,so- würden wir keine so ungeheure Verlängerung der Kindheit