So lange der Scherz von solcher Art ist, daß mehr derFehler, der Jerthum oder das Mißverständnis Lachen erweckt,als d ie P erson selb st; so lange die Person, wenn auch ihrwirklicher oder scheinbarer Jrrthum, den sie hat, oder von sichin Andern erweckt, Lachen erzeugt, dabei dennoch von derAchtung nichts einbüßt, welche sie von uns fordert, oder diewir ihr freiwillig zollen: eben so lange darf der Scherz un-schuldig genannt werden. So lange der Scherz keinen Verdrußerweckt, oder nicht aus Verdruß über Andere entspringt, ebenso lange darf er harmlos genannt werden. So lange der Scherz,weit entfernt, pöbelhaft und ekelerregend zu sein, oder dasHeilige und Gute zu verkleinern, vielmehr auf Belehrung undzarte Anregung sittlicher Gefühle hinleitct: eben so lange ist eredel zu nennen. Der unschuldige, harmlose und edle Scherz istauch die feinste Würze geselliger Unterhaltungen, so wie er selbstnur die zarteste Blüthe eines liebenswürdigen Geistes ist. Ausoben dieser Ursache sind anständige und das Lächerliche dermenschlichen Fehler hervorhebcnde Satiren oder Spottschriftensehr belehrend, und wohlthuender zuweilen, als die ernsthaftestenPredigten wider den gleichen Fehler; so wie hingegen Schmäh-schriften, aus Haß und Rache oder Neid gegen einzelne Personenund Stände verfertigt, jedes rechtschaffene Herz empören. Ausgleichem Grunde ist die Schaubühne als eine Lehrerin guterSitten ehrwürdig, indem sie das Tadelnswerthe menschlicherHandlungen überhaupt lächerlich macht; hingegen ist sie vonkeiner guten Obrigkeit zu dulden, wenn sie menschliche Thor-heiten adeln, oder Leidenschaften liebenswürdig darstellen undVerbrechen rechtfertigen will.
Harm'os, unschuldig und edel soll der Christ selbst in seinenScherzen sein. Er darf sich daher nie vom Uebermaß einermuthwilligen Laune verführen lassen, durch seine Einfälle gegenirgend eine Person die Achtung zu schmälern, um Andere aufKosten derselben zu belustigen. Er darf nie die Person mit demFehler zugleich verspotten und sogar sich selber nicht zum Gegen-stand des Gelächters durch Possenreißerei machen, weil er damitseine c:gene Würde in den Staub tritt. In allen Dingen ist das