Anständige und Schickliche zu beobachten. Bilde sich Niemandein, die Verletzung derselben sei keine Sünde, weil es doch nurVerletzung von bloßen Formen, von angenommenen Acußerlich-keiten ist, welche bei verschiedenen Völkern verschieden sind, undworüber die heilige Schrift nichts vorgezeichnet hat.
Das Schickliche und Anständige ist eine der Schutzwaffen,welche der Tugend gegen die Welt nöthig sind, um sich zu Ver-th eidigen. Wer einmal das Erröthen vor dem Unanständigenverlernt hat, verlernt cs auch bald vor dem Ungerechten undvor dem Vergehen. Nur die unwillkürliche Achtung undSchonung des Schicklichen erschwert dem Verführer oft die Ver-suchung der Unschuld; nur die Ehrfurcht vor dem Anständigenhält pöbelhafte Gemüther in den Schranken der Ehrbarkeit undvon Ausschweifungen zurück.
Schmälere daher die Hochachtung der Andern nicht für dich,indem du dich ihnen freiwillig mit Verletzung dessen, was ge-ziemend ist, zum Gelächter und Spott machst. Als was du dichgegeben hast, als das wirst du genommen. Wer Andern umsolchen Preis Vergnügen macht, verräth, daß er wirklich einThor sei, aber ein ganz anderer, als der er zur Belustigungscheinen wollte. Und wenn gleich nachher auch Alles wieder indas alte Gleis zurückkehrt, und man dir auch wieder die vorigenHöflichkeiten und Ehrerbietungen bezeugt, die du vermöge deinesStandes zu fordern berechtigt bist, wird dir doch in den Vor-stellungen derer ein beständiger Flecken bleiben, denen du dicheinmal absichtlich würdelos und als Gegenstand des Spottespreisgegeben. Selbst wenn du durch mannigfaltige Verdiensteund rühmliche Eigenschaften in der That ehrenwcrth wärest,würdest du doch das Lächerliche, was du von dir in den Vor-stellungen Anderer einmal hervorgebracht hast, nicht so leichtwieder vertilgen.
Noch größer wird dein Vergehen, wenn du in deinen ScherzenAndere zum Gegenstand des Gelächters machst, daß sie dadurchin derjenigen Achtung verlieren, welche sie bei ihren Mitbürgernwirklich besitzen. Nichts dient zu deiner Rechtfertigung; deinschadenfroher Witz, der Jemanden dem Spott preis gibt, bleibt