zum Neuen zu fügen und damit vor der Welt zu glänzen, eineMenge Kleinigkeiren ersannen, oder das Bessere vom Alten ver-verwarfen, weil es nicht neu gedacht war. Doch jedes Unter-nehmen des Menschen ist im Beginnen unvollkommen; aber diesist der Trost: daß das Schlechte endlich durch sich selbst vergehenmuß, das Gute aber währet, so lange cs gut ist. Das ist dasSchlechte, was wider Gang und Gesetz der Natur strebt: dasGute aber ist das Natürliche.
Die Fortschritte der Völker in Erfahrungen, Erfindungenund mancherlei Kenntnissen machten besonders nothwendig, daßdie öffentliche Jugendbildung verbessert wurde, damit zum Auf-fassen so vieler wissenswürdigcr Dinge, so wie zum Gewinnso mancherlei nützlicher und im bürgerlichen Leben nothwendiqgewordener Fähigkeiten der Zeitraum der Kindheit nicht zu enge,oder das reizendste und harmloseste Alter des Lebens, ursprüng-lich der Entfaltung körperlicher Kräfte geweiht, nicht unter An-strengungen und Mühseligkeiten des Lernens verbittert werde.
Aber die gewandte Kraft, die Mannigfaltigkeit der Fähig-keiten, der Reichthum der verschiedenartigen Kennmisse, welchedem Mann heutiges Tages in allen Ständen der bürgerlichenWelt nicht fehlen dürfen, sind dem Weibe entbehrlicher. DieAnforderungen, welche an den Mann in unfern Tagen gemachtwerden müssen, da das Gebiet aller Künste, Handwerker,Geschäftskreise, Handlungszweige, Wissenschaften und andererBedürfnisse erweitert steht, sind größer geworden, als sie ehemalssein konnten. Das Weib hingegen steht noch in den Verhält-nissen zur Welt und zum Leben, wie in frühern Zeitaltern. DerUmfang und die Art der weiblichen Wirksamkeit hat sich, festbegrenzt durch ewige Gesetze der Natur, weder ausgedehnt, nochverengert; cs wäre denn, das Weib wolle über die Schrankenseiner eigenthümlichcn Bestimmung und Würde hinausschweifenin die Bahnen männlicher Thätigkeit.
Demungeachtet hat man geglaubt, auch die weiblicheBildung veredeln und dm Unterricht für dieses Geschlecht ver-vollständigen zu müssen. Auch dieses Streben war löblich, undbleibt es, so lange Bildung und Unterricht sich auf das be-