zu führen; sie opferten dieser unseligen Begierde die Sorgfaltum unerzogene Kinder, die Pflichten häuslicher Sparsamkeit,ja selbst oft die Pflichten ehelicher Treue auf. Dieser unmäßigeHanz zu gesellschaftlichen Freuden stürzte wohlerzogene Jüng-linge allmälig in den Schlamm der niedrigsten Ausschweifungenhinab, und raubte liebenswürdigen Jungfrauen die Grundsätzeder Ehre, Bescheidenheit, Unschuld, und die Möglichkeit, künftigdas Glück eines stillen, anspruchlosen häuslichen Lebens fühlenzu können.
Zu den Gefahren des gesellschaftlichen Vergnügens gehörtauch, daß man ihnen nicht nur leicht einen übertriebenen Werthgibt, worüber das Bessere und Wichtigere in Vergessenheit geräth,sondern auch einen nachtheiligen Reiz bekommt, viele Bekannt-schaften zu machen. Es wird bald zum leidenschaftlichen Be-dürfnisse , sich immer unter neuen Bekanntschaften umher-zutreiben. Der Wechsel an sich vergnügt; auch ist es derEitelkeit schmeichelhaft, sich stets Andern wichtig zu machen,und wegen dessen, was man schon oft gemacht und gesagt hat,wiederholt bewundert zu werden. Diese unordentliche Begierdenach neuen Bekanntschaften stumpft allen Sinn für den wahrenGewinn ab, den das gesellschaftliche Leben gewähren kann. DerMensch wird flatterhaft in seinen Verbindungen, und unfähig,dauerhafte Freundschaften zu schließen. Er ist wie einer, dersich beständig auf Reisen befindet. Viele Bekanntschaften gebenendlich ein gewandtes, abgeschliffenes Wesen, aber rauben dasHerzliche; sie führen in einen bunten Umgang, aber zu keinerliefern Kenntniß des Menschen. Sie dienen zur flüchtigen Unter-haltung, aber machen eine schädliche Zersplitterung der Zeitunausweichlich. — Das Leben ist so kurz, daß, soll es unsganz angehörcn, man nur Wenigen: darin gehorchen muß.Wer Alles kennen will, lernt nichts vollkommen kennen. Nichtder Umgang mit Vielen, sondern der Umgang mit Guten ver-edelt den Menschen.
Ich weiß, es wird, und oft von wahrhaft frommen Leuten,vielmals gegen die Art und Weise geeifert, wie man sich inGesellschaften zu unterhalten pflegt; und sie finden die Gefahren