Lebenslehrcr Jesus Christus hat sich während seines Wandelsunter den Menschen von ihren geselligen Erheiterungen keines-wegs ausgeschlossen. Cr schalt wohl die Scheinheiligen, dieandachtelndcn Vielbcter, welche sich im Geheimen mancherleiSünden verzeihen; aber er schalt nicht die Fröhlichen in derFülle ihres Lebensgenusses, er selbst ernrunterte zur Heiterkeit,und auch den Aermften zur Harmlosigkeit durch Vertrauen aufGott. Er schalt zwar die Prasser, die Trunkenbolde, die üppigenWüstlinge, die Spieler, aber nicht die heitern Gäste zu Kana,zu welchen er selbst gehörte, und denen er die Krüge mit Weinfüllte. Freuet euch in dem Herrn allewege, undabermal sage ich, freuet euch! rief auch Paulus denPhilippern zu. (4, 4.)
Und doch darf ich es mir nicht verbergen, auch das unschul-digste Vergnügen muß mit besonderer Vorsicht genossen werden.Denn ich habe es leider aus meiner eigenen Erfahrung schon zuoft wahrgenommen, daß manche Lustbarkeit für mich eine Quellelangen und peinlichen Verdrusses geworden ist, der zuweilengrößer war, als die kurze Freude, welche ihn veranlaßte.Ich genieße in der That manche Vergnügung mit einer heiternSchüchternheit und sogar Aengstlichkeit; denn ich habe es auchschon erfahren in meinem Leben, daß, je vergnügter ich einenTag zugebracht hatte, ein um so schwärzerer Schatten danndiesem Lichte wieder nachzufolgen pflegte.
Ich soll als Christ, und will als Christ über das VergnügenNachdenken, welches ich mir erlaube. Die Frucht dieses religiösenNachdenkens ist vielleicht mein größter Vortheil, daß ich nämlichnicht so bald in den Fall komme, ein Vergnügen , oder die Art,wie ich daran Theil nehme, zu bereuen; daß ich lerne derSchlange ausweichen, die zuweilen unter den Rosen der Freudeverborgen lauert.
Ich sehe wohl ein, daß überhaupt jedes Vergnügen nach-theilig werden kann, wenn es mit Uebermäßigkeit genossenwird. Ich weiß dies längst: aber weit schwieriger ist es, zuwissen, wo die, Grenzlinie des Erlaubten im Vergnügen liegt;oder was ich zu beobachten habe, um nicht in der Freude