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5 (1837) Andachtsbuch für die Jugend
Entstehung
Seite
87
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irgendwo zu weit zu gehen. Eine solche Verirrung aber istnirgends leichter, als in gesellschaftlichen Unterhaltungen undLustbarkeiten. Denn da ermuntert Einer den Andern durchschmeichelndes Zureden oder Beispiel; da werden auf un-erwartete Weise verschiedene Leidenschaften in Tätigkeit gesetzt,und vorher schlafende Neigungen geweckt: da zieht bald eigenesWohlgefallen an dem, was vorgeht, uns über die Grenzen desGerechten, Schicklichen und Erlaubten hin;-bald ein falschesEhrgefühl, bald ein noch schlechterer Beweggrund. Man hörtbald auf, seiner selbst Meister zu sein; oder scheut sich, derAndern wegen, es zu bleiben, auch wenn man es noch seinkönnte.

Und eben darin liegt die Gefahr aller gesellschaftlichen Ver-gnügungen; das Bewußtsein des Bessern wird betäubt; dieFreude liegt nicht mehr im Herzen, sondern in der Erfüllungeiner heftigen, unser ganzes Gemüth beherrschenden Begierde.Aber aus dem Herzen geht das Leben hervor; die bloße Sättigungeiner äußern, leidenschaftlichen Begierde ist immer mehr oderweniger von einer unangenehmen Empfindung im Herzen be-gleitet, ist der wirkliche Tod der ächten Freude. Daher, wennman sich einmal vollkommen beseligt fühlt, pflegt man auch zusagen: Ich bin recht innerlich froh; froh im Grunde desHerzens!" > Die bloße Stillung einer Begierde nach äußer-lichen Dingen ist nicht innerliche Freude.

Darum gibt die heilige Schrift uns eine in allen Verhält-nissen, zumal im Genüsse der Freuden, goldene Lehre:Be-hüte dein Herz mit allem Fleiß; denn daraus geht das Leben!"<Spr. Sal. 4, 23.) Dies schöne Denkwort will ich in meinemGedächtnisse einprägen. Es werden die Stunden gewiß nichtausbleiben, da ich nöthig habe, mir es wieder zuzurufcn; da»esmein Bewußtsein der Pflicht stärkt, mich zum Herrn meinerselbst zu machen, und mir Verdruß, Sorge, Kummer, Reueund Thränen ersparen kann.

Behüte dein Herz mit aller Sorgfalt in derTheilnahme an geselligen Freuden. So unschuldigauch die dargebotenen Unterhaltungen zu sein scheinen, oder