Zierde, verfällt eben aus Eitelkeit erst in wahre, aber wider-liche Ziererei. — So war nicht Jesus Christus, das göttlicheUrbild ! Er war in allem Aeußerlichen für die Welt, was erihr sein sollte, um von ihr begriffen zu werden; ohne künstlicheZiererei, einfach, wahr und klar; sich nicht böser, nicht besserstellend; überall die Güte, die Liebe und die äußern Verhältnissebürgerlicher Gewohnheiten, Ordnungen und Sitten ehrend undbeachtend.
Darum lasset uns sein, wie er war. So ziehet nun an, alsdie Auserwählten Gottes, Heiligen und Geliebten, herzlichesErbarmen, Freundlichkeit, Demuth, Sanftmuth, Geduld k(Kol. 3, 42.) Wie unser Inneres ist, so strahle es in unsereUmgebungen aus. Hast du die wahre Liebe und Demuth: st»entfalte sie in allen geselligen Behältnissen. Deine innere Güteoffenbare sich auch in äußerer Anmuthss Mag auch ein Ordnungrind Reinlichkeit liebendes Gemüth in der Unsauberkeit undVerwirrung des Hauswesens sich gefallen; oder ein wahrhaftlugendvolles, Gott gefälliges Streben Lust finden in Beleidigungund Verachtung dessen, was andere Menschen als Pflichten desUmgangs fordern?
Nein, wo neben Herzensgüte äußere Rohheit, nebenMenschenliebe Verhöhnung dessen statt findet, was den Men- »scheu im Umgang mit ihnen lieb ist; wo sich Rechtlichkeit desSinnes mit leidenschaftlicher Hitze, Zorn und Rechthabereipaart; wo Geradheit in stolze Grobheit entartet; wo die Un-bekümmertheit um die äußere Anmuth und Würde eine stolzeDemuth, eine Sucht nach Auszeichnung ist: da ist nicht wahreHerzensliebe, nicht ächte Menschenliebe, keine reine Rechtlichkeit,nicht unbefangene Geradheit. Da ist ein Herz, in welchem vielUnkraut die aufgekeimtc Saat des Guten umwuchert, oft erstickt,und wo in den klaren Strom der Tugend die Leidenschaft ihrentrüben Schlamm ergießt.
Herr, mein Richter! Du weißt cs, auch mein Herz ist wohlvon diesem Unkraut nicht ganz frei; und Trotz oder Eitelkeit,allzugroßer, oft in Ungerechtigkeit sich verirrender Eifer, oder