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5 (1837) Andachtsbuch für die Jugend
Entstehung
Seite
78
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götterung seiner eigenen Absichten. Die Frucht des Geistes ist janicht Haß, Verfolgung und Aerger: sondern Liebe, Sanftmuch,Freundlichkeit. Wer die Welt mit Feuer und Schwert bekehren,wer den Irrenden mit Kerker und öffentlicher Schmach einesBessern belehren, wer die Menschen durch Noch und Jammerbeglücken will, ist ein Wahnsinniger, welcher bei den besten Ab-sichten die ruchlosesten Mittel wählt, und seinen Bruder erwürgt,um ihn von einem Fehler zu befreien, der keinem. Wurm schadete.

Nein, daß ist keine wahre Gottseligkeit, kein reiner Bieder-sinn, wo das Bewußtsein, recht zu handeln, zugleich Ungefällig-keit und ein kränkendes Wesen gegen Andere einflößt. Du kannstein redlicher, offener, gerader Mensch sein, aber deine Tugendberechtigt dich keineswegs. Andern mit grober Härte zu begegnen,ihnen Derbheiten zu sagen, wodurch sie gekränkt werden. Duhast vielleicht die gerechte Sache, aber dein Stolz darauf ist dasUngerechte an dir und deiner Sache. Weißt du nicht, daß cs oftweniger darauf ankommt, was man thut, als wie man cs thut,und daß das Tugendliche einer Handlung oft weniger in dem-jenigen besteht, was sie gewährt, als in der Art und Weise, wiesie es leistet? Deine Hilfe, welche du dem, der in Verlegenheitist, bringst, verliert allen Werth, oft alle Frucht, wenn du siemit unfreundlichen Worten und Vorwürfen bringst. Ein geringesAlmosen freut und tröstet den Leidenden mehr, wenn es ihm aufschonende Weise mit gütigem Wesen zukommt, als eine ansehn-liche Geldsumme, die ihm mit beleidigender Trockenheit auf einefür ihn demüthigende Art hingcworfen wird. Du kannst es gutmeinen, aber deine innere Rechtlichkeit entschuldigt niemals deineäußere Unfreundlichkeit und Härte. Du fehlst im Augenblick, dadu dir schmeichelst, löblich zu sein und recht zu thun.

Innere Güte steht keineswegs in Zwietracht mit äußererAnmuth: sondern die Liebe, Sanftmuth, Freundlichkeit undGeduld sind die Früchte des Geistes. Wenn du deinem Bruderein liebliches Obst in goldenen Schalen bringen kannst: warumwillst du es ihm mit wunderlichem Eigensinn in schmutzigenGefäßen reichen? Unser innerer Werth gibt uns kein Befugniß,den äußern zu verachten. Deine Einsichten, deine Wissenschaften