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5 (1837) Andachtsbuch für die Jugend
Entstehung
Seite
76
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Man kann sich wohl zu einer oder der Andern Absicht verrstellen, aber nicht zu Allein, was man erreichen will. Man kannsich wohl aus einer oder der andern Ursache anders zeigen, alsman ist, aber man hat nicht Ursache, Alles zu verhehlen, wasman denkt und will. Folglich bleibt immerdar zwischen unsermInnern und Aeußern ein in das Auge fallender Zusammenhangsichtbar. Denn jeder Mensch will die Welt draußen so um sich herbauen und einrichten, wie sie seinem Innern am meisten zusagt»Sehr merkwürdig ist bei dem Allem, daß gar oftmals derFall eintritt, wo der Fehlerhafte seine Schlechtigkeit mit allermöglichen äußern Liebenswürdigkeit zu paaren, und dem Lastergleichsam eine gewisse Gefälligkeit für das Auge zu geben sucht;wahrend der rechtliche Mensch mit einem sonderbaren Eigensinndurchaus Alles versäumt, oder gar vermeidet, wodurch er seineHcrzensgüte und Gerechtigkeit im Umgang annehmlich machenkönnte. Der Falsche versteht sich auf die Kunst, durch seineSchmeicheleien und Aufmerksamkeiten das Herz derer zu ge-winnen, die mit ihm in Berührung kommen; inzwischen mancherRechtschaffene, der in der That nichts als das Gute will, dabeirauh, polternd, zurückstoßend ist, und mit der Gerechtigkeit seiner'Sache trotzt. Es ist deswegen auch nichts Ungewöhnliches, daßman oft sehr verächtliche Leute zu den achtungswürdigsten Ver-hältnissen und Stellen emporsteigen sieht, dieweil der Verdienst-volle in unbeachteter Dunkelheit hintangesetzt bleibt, oder daßman sich um einen durch sein Acußeres liebenswürdigen, obgleichdw'ch zweideutige oder nicht zu billigende Denkart bekanntenMenschen drängt, indessen inan einer wackern Person, die aber i»rAeußern etwas hart, ungefällig und vernachlässigt ist, ausweicht»Wie, gehört denn das Schöne und Reizende zu den Eigen-thümlichkeiten der Sünde, und das Mürrische, Finstere, Zurück-stoßende zu den Wirkungen der Tugend? Unmöglich. Solehrte mich Jesus nicht die Tugenden kennen. Welche Ver-wirrung der Dinge, wenn sich der Verbrecher mit dem Liebreizder Seelengüte schmückt, und der Fromme das Gehässige undUnerträgliche verdorbener Gemüthsarten annimmt! Ich mußfürchten, daß eine zurückstoßende Tugend keine wahre Tugend