wohlthätig werden kann! Hier ist falsche Geschäftigkeit, hierunnütze Thätigkeit! Wer in sich einen Reichthum großer Kräfteund Anlagen wahrnimmt, soll denselben allerdings Nicht ver-wahrlosen. Aber es kommt nie so viel darauf an, wo mandenselben, sondern wie inan denselben in seinen Verhältnissenauf eine löbliche Weise anzuwenden versteht? Darin bewährtsich die wahre Lebensklugheit, darin die Weisheit eines Christen.
Auch Thätigkeit ohne Ordnung wird zur falschen Geschäftig-keit, und beraubt uns des Segens und des freudigen Wohl-gefallens an unserm Thun. Es ist keine nützliche Thätigkeit,'wo nicht Ernst und Zweckmäßigkeit unfern Eifer leiten, daßAlles zu seiner Zeit geschieht.
Es läßt sich nicht läugnen, viele Menschen sind immerdarregsam, und doch haben weder sie noch Andere von ihrer Müheso viel Frucht, als man erwarten könnte. Ihr Wohlstandschreitet nicht vorwärts; kaum daß sie mit allem Fleiße es soweit bringen, daß sie dasjenige ungeschmälert bewahren, wassie schon besitzen. Selten erräth man auch die geheimen Ursachendieses Unsegens, die nur demjenigen klar werden, der Zeit undAnlaß dazu hatte, sie schärfer zu beobachten.
Da ergibt es sich oft, daß nicht wahrer Fleiß, sondern nurVcschäftigungslust vorhanden ist. Man will thätig sein, thutaber nicht, was zu jeder Stunde das Nöthigste und Nützlichsteist, sondern was, nach der herrschenden Laune, wohlgefällt.Man will sich mit den Geschäften des Berufes mehr unterhaltenund vergnügen, als nützlich werden. So wird denn oft vielerleibegonnen, wenig gehörig vollendet. Man eilt von Einem zumAndern, und ermüdet bei Allem. Zuletzt ist ein Tag vollerArbeit hingestrichen, und nichts oder wenig gethan.
Wenn auch Fälle eintrctcn können, wo es unschädlich oberwohl gar zweckmäßig wäre, die Stimmung des Gemüths vor-her zu prüfen, ehe man eine wichtige Arbeit beginnt, bleibt esdoch gefährlich, so etwas zum allgemeinen Gesetze für seinganzes Thun zu machen. Arbeit soll keine Lustbarkeit, keineTändelei zum Zeitvertreib sein, sondern Arbeit im vollenSinne des Worts, eine Anstrengung der Kräfte zu nützlichen