Druckschrift 
5 (1837) Andachtsbuch für die Jugend
Entstehung
Seite
53
Einzelbild herunterladen
 

zur Vermehrung unserer Glückseligkeit. Allein wir sollen überallUnsere Wünsche nach demselben beschränken können, sobald irgendeine höhere Pflicht gebeut.

Wir sollen nicht unsere Begierden alle in uns ertödten, sondernwir sollen sie nur mäßigen, daß sie zu keiner Zeit in Leiden- ^schäften ausarten, denen wir nachher nicht meh^ widerstehenkönnen, obgleich wir ihre Häßlichkeit, ihre Gefahr einsehen.

Wer zu jeder Stunde seine Begierden zu mäßigen, seine auf-wallenden Empfindungen zu meistern weiß, daß sie ihn nämlichnie in dem stören, was nach seinen Einsichten rechtschaffen, edel-anständig und wohlthätig ist, der hat die Krone der Vollendungbald errungen der beherrscht sich selbst.

Darum wenn Vollendung, wenn das Gottähnlich-werden dein Ziel ist Sterblicher, mustere die Reihe allerdeiner Bedürfnisse, und frage dich bei jedem: Ist es von deinemWillen abhängig, oder bist du es von ihm? Würdest du un-glücklich , wenn du es entbehren müßtest? Kannst du dich des-selben entschlagen, ohne daß du deine Ruhe und innere Glück-seligkeit darüber einbüßen würdest?Und könntest du dasnicht o Christ, rette deine Ruhe, lerne cs freiwillig entbehren;übe dich, es zu vermissen; bereite dich auf jeden Verlust vor>Denn nichts behältst du; auch das Theuerste kann dir früheroder später genommen werden, wird dir unfehlbar genommenwerden. Der Weise, der Christ, kann jede Freude sein nennen,aber nichts soll ihm doch unentbehrlich sein. Er hat nur ein-einziges Bedürfniß, ohne welches er nicht athmen möchte, unddies ist die Tugend, das Bewußtsein, in Jesu Lehren zu leben,die Sehnsucht, Gott ähnlich zu sein.

Wahrlich aber, die Religion wäre ein eitler Tand, dieTugend wäre ein leeres Wort, wenn ich, ohne mißvergnügtzu werden, gleich jeden Wunsch, der in mir laut wird, erfüllenmüßte; wenn ich dem Ungestüm jeder in mir erwachendenNeigung unterthänig würde; wenn ich mich der stillen oderwilden Gewalt jeder Leidenschaft preisgäbe.

Und willst du die Macht deiner Gewohnheiten besiegen, s»brich ihnen stufenweise von ihrer Nahrung ab. Willst du deine