Ohne des Körpers Gesundheit ist die Gesundheit und Freiheitdes Gemüths nicht immer leicht. Willst du deinen Leib und die-aus ihm hervorgegangenen Empfindungen beherrschen: so tragefür seine Gesundheit Sorge. Ein guter und vollkommenerArbeiter bedarf eines guten und vollkommenen Werkzeuges, unrsich als Meister zu beweisen. Der Leib aber und das gesammteEmpfindungsvermögen ist ein Werkzeug der Seele.
Viele Gewalt der Begierden entspringt oft nur aus derGewohnheit, daß sie, so oft sie forderten, befriedigt wurden-Unterbrich Gewohnheiten, sobald sie die Freiheitdeines Willens beschränken, und dir ein Hinderniswerden, so gut und groß zu sein, als du ohne sie sein könntest-Der Trunkenbold liebte anfangs den Wein mit Mäßigkeit, unrder angenehmen Empfindung willen, in welche der Genuß desedeln Trankes ihn versetzte. Aber durch das beständige Vefrie--"digen des Triebes nach solchen Empfindungen machte er seinenrKörper den Reiz des Weines zum Bedürfnisse. Das Gewöhn--Me hörte endlich auf zu reizen; so ward er gezwungen mitUebermaß zu genießen.
Fürchte dich vor jeder Art von Gewohnheit, sounschuldig sie auch scheinen möge. Sie ist schon darmwgefährlich, weil sie dich von sich abhängig macht. Wo aberAbhängigkeit ist, wie kann da Freiheit statt finden? Wo dmeinem gewohnten Bedürfnisse gehorchen mußt, wie kannst dmalle Herrschaft über dich selbst haben? — Nichts werde dir zurGewohnheit: so wirst du nie große Schmerzen fühlen, wenndu früher oder später entbehren mußt. Nichts, was irdisch ist,betrachte, als wenn du es beständig behalten könntest, sondernvorübergehend: so wirst du auch nie dem Kummer um seinen.Verlust unterliegen; du wirst nie in Versuchung gerathen, ein-Unrecht zu thun, um das Gewohnte dir zu erhalten.
Es ist deswegen keineswegs rathsam, noch Pflicht, desChristen, allen angenehmen Genüssen mit finsterer Strenge zuentsagen. Gott, der gütige Geber so vielfacher Lebensfreuden,hat kein Wohlgefallen an unserer Trauer: er will, wir sollengenießen und uns freuen. Auch das Irdisch - Anmuthige dient