geneigt sein mögen, kann uns wichtige Dienste zur genauenErkenntniß unserer Schwächen und Blößen leisten. Denn weruns nicht wohl will, ist scharfsichtiger gegen unsere geringstenMängel, als der beste unserer Vertrauten.
Selbstkenntniß, sei und bleibe du mein Hauptgeschäft, denndu bist der Spiegel, in dem sich meine Seele selbst sieht. Dnbist die Leuchte meines Geistes in den Finsternissen des Lebens!Ernst will ich von nun an über mich selbst Gericht halten, damitich desto sicherer mich der Gnade und des Erbarmens meineshöchsten Gebieters erfreuen kann. Ich dürste nach Vollendung.Du, mein Gott, hast mir Mittel zu meiner Heiligung und Ver-edelung an den Weg des Lebens hingelegt, den ich zu betretenhabe: was kann mich vor Dir rechtfertigen, wenn ich dieseMittel verachte und versäume?
O sei mir nahe mit Deiner Kraft und Stärke, wenn ichnach Deinem heiligen Geheiß den Werth meines Herzens prüfe.Der Gedanke an Deinen Willen, an Deine Allwissenheitfordere mich jeden Abend, da meine Gesundheit es gestattet, zurRechenschaft vor mir und vor Dir auf; zur ernsten Rechen-schaft, wie ich sie in der Nähe des Allgegenwärtigen abzulegenhabe, vor welchem keine Täuschung gilt!
Wer so gewohnt ist, mit sich selbst zu rechnen, seine Schul-den von Tag zu Tag zu vermindern, und seine Tugendsätze vonTag zu Tag zu vermehren, o der darf in der letzten Stunde,wenn einst des ganzen Lebens Rechnung abgethan ist, mit kind-licher Zuversicht Deinem Erbarmen, Vater, entgegenlächeln.Der hat gethan, was er vermochte. Sei ihm gnädig! Amen.