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5 (1837) Andachtsbuch für die Jugend
Entstehung
Seite
44
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Aber du bist vielleicht nicht nur heute, sondern auch öftersden Aufwallungen des Zorns ausgesctzt. Die Eigenliebe flüstert:das ist ein Temperamentsfehlcr, und so etwas läßt sich nicht auSseiner eigenen Natur Herausreißen. Aber wer weiß auch, ob eswirklich Naturfehler ist? Und wenn er es wäre, ob er sich nichtdurch die Stärke deines Geistes bändigen ließe? Hast du auchschon diesen Versuch gemacht? Warum kannst du denn deinenauffahrenden Ungestüm sehr gut bändigen, wenn du etwa inGegenwart hoher Personen stehst; oder wenn sich dir Fremdeplötzlich nahen, die dich begrüßen wollen; oder wenn du aneinem Orte dich befindest, wo du von vielen Personen beobachtetwirst, an deren Hochachtung dir sehr viel gelegen ist? Nunwohl, siehe, diese Stunden, in welchen du Meister deines Jäh-zc.-ns werden konntest, sind die Anklägerinnen deiner Falschheit.Was du einmal über dich vermocht hast: warum vermagst ducs nicht immer über dich? Wenn eine plötzliche Zerstreuung dichschon einmal von dem Aufbrausen deiner Empfindungen heilte:warum benutztest du die Heilmittel nicht allezeit, wenn dich einVerdruß übermannen wollte?

So ungefähr ist des Christen stilles Selbstgespräch in dmeinsamen Augenblicken der eigenen Erforschung und Prüfung.

Aber auch bei unfern festesten Vorsätzen, den Einfluß derEigenliebe auf das Urtheil über unfern Werth oder Unwerthzu verbannen, und uns in unserer wahren, innern Gestalt zuerkennen, sind wir doch selten im Stande, ganz unparteiisch zusein. Es hängt in der Beurtheilung unserer selbst immer sehrviel von der augenblicklichen Stimmung unsers Gemüths ab.Was wir bei leichtem Blute oft-für geringfügig achten, erscheintuns in einem schwermüthigen Augenblick wieder verdammlicher,als es in der That sein mag.

Daher befördert es unsere Selbstkenntniß nicht wenig, wennwir auf das Urtheil rechtschaffener Freunde hören, und auf das,was sie an unserer Art zu denken und zu sein auszusetzen haben.Haben sie recht gesprochen o unser Gewissen wird es unsschnell bemerken, und die Schmeicheleien unserer Eigenliebewerden verstummen. Ja selbst das Urtheil derer, die uns ab-