Druckschrift 
5 (1837) Andachtsbuch für die Jugend
Entstehung
Seite
36
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Wie selig, Herr, ist der GerechteDu bist sein Gott, sein großer Lohn.

O, daß auch ich gerecht sein möchte!

O wär' ich, was ich sein soll, schon!

Ich fühl' es schon, ich bin noch weitDom Ziele der Vollkommenheit.

Weg, Leichtsinn, stolzes Selbstvertrauen,DaS alle Mängel mir verhehlt.'

Ich will mich selber erst durchschauenUnd prüfen, wo es an mir fehlt.

Was ist dem Menschen wichtigerZu kennen, als sich selber, er?

Wer kann, wie oft er fehlet, merken?

Nur Du, Gott, weißt ganz, wie ich bin;Nur Du kannst mich im Guten stärken;

Drum nimm mein Herz, v Vater, hin.

O mach', ich wünsche rein zu sein,

Mich von vcrborg'nen Fehlern rein.

Unsere Seele gleicht einem Licht, das Alles umher beleuchtet,nur sich selbst nicht. Wenn dieses Licht erwacht, reichen seineStrahlen vom nächsten Gegenstand bis zu den entferntestenSternen; aber in seinem Innern ist es so trübe, daß es nichtdurchschaut werden kann.

Durch das Werkzeug unserer Sinne nimmt unsere Seeledie Gestalten und Farben, die Töne und Sprachen und alleEigenschaften der Welt wahr; allein sich selbst nimmt sienirgends wahr, als in ihrer innern Thätigkeit und durch ihrBewußtsein.

Unser Geist löset auf Erden so manches Räthsel, aber dasihm allernächste kann er doch nicht errathen, und dies istsein eigenes Selbst.

Diese seltsame Dunkelheit erstreckt sich sogar über die Theileunsers eigenen Körpers. Wir sehen alle andern Dinge weit öfterund bestimmter, als uns selbst. Viele Gegenden unsers Leibeshaben wir nie gesehen. Wir können uns ohne Mühe jedenunserer Bekannten vorstellen, auch wenn er abwesend ist, ja