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5 (1837) Andachtsbuch für die Jugend
Entstehung
Seite
26
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Beruf, Mit öern er sich ein ehrenvolles Auskommen verschaffen:will; wählt mit Freiheit zu allen seinen Zwecken die Mittelswelche ihm tauglich scheinen; wählt einst die Gattin, dieGefährtin seines Lebens, die seinen Neigungen am meistenentspricht. Aber nicht so die Jungfrau.

Selten kann sie sich mit eigener Macht ihr Loos bestimmen rsie muß cs schweigend erwarten. Selten kann sie den Mannwählen, mit welchem vereint sie die Leiden und Freuden ihrevTage am liebsten theilen möchte: sie wird gewählt. Selten hatsie eigene Mittel genug, sich unabhängig zu ernähren und zubeschützen: sie wird ernährt, sie wird beschützt. Als Mitglied einesGeschlechts, welches von Natur zarter, schwächer und unfähigerist, in den Stürmen des bürgerlichen Lebens zu handeln, ist siegleichsam in einer fortdauernden Unmündigkeit vor den Gesetzen^und muß ihre Angelegenheiten im öffentlichen Leben Fremdenanvertrauen und von ihnen verwalten und vertheidigen kaffen.

Wie unsicher ist daher das Loos der Jungfrau, auch dannsogar, wenn sie noch Aeltern hat, die bis jetzt noch Ansehenund Vermögen besitzen! Wie schwankend ist die Grundlage allesihres künftigen Glücks, da solche vom Zusammentritt so mannig-faltiger böser oder guter Umstände abhängt! Da sie nochheute nicht weiß, wie lange sie den Schutz und die Pflege ihrerAeltern oder Verwandten genießen kann; nicht weiß, ob siejemals Gattin eines solchen Mannes werden kann und wird,,wie ihr Herz ihn wünscht, und ihre Art zu denken und zuempfinden nöthig macht, um vollkommen glücklich zu sein.

Um so wichtiger ist es, daß sie in einsamen Augenblickender Selbstbetrachtung einen ernsten Blick auf ihre gegenwärtigeLage und ihre künftigen Verhältnisse werfe; daß sie sich mitfester Entschlossenheit waffne, jedem Verhängnisse unerschrocken,doch weise entgegenzutreten; daß sie sich vorbereite, des bestenGlückes würdig zu sein, auch selbst wenn sie es einst nichtempfangen sollte; daß sie sich vorbereite, auch im schlimmstenFalle, wo alle ihre Wünsche scheitern, oder wohl gar dasGkgentheil von denselben eintrifft, nie ganz unglücklichzu sein.

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