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Dazu aber muß schon früh der Anfang gemacht werden,denn das Beste zu erreichen ist nicht das Werk eines Augen,blickes. Dazu gehört schon früher Ernst, frühe Besonnenheit.Man erwirbt diese Eigenschaften nicht erst an dem Tage, daman sie gebraucht. Die Jungfrau muß schon in den erstenJahren ihr wahres Glück von allen äußern Dingen unabhängigmachen; sie muß es in ihrem eigenen Herzen gründen, wennsie es einst behalten will als Weib, als Mutter, als Hausfrau,oder aber im unvermählten Stande.
Schon jetzt, in der Blüthe ihres Alters, wird sie vonGefahren umringt, die an sich oft sehr unscheinbar sind, aberauf die künftigen Jahre einen unaussprechlich großen Einflußhaben. Schon jetzt hat sie die meiste Mühe anzuwenden,gegen mancherlei verführerische Verhältnisse und Beispiele einunverdorbenes Herz und einen unverdorbenenVerstand zu bewahren, und doch sind es nur diese beiden,ohne welche sie in der Zukunft unglücklich werden muß.
Unverdorben heit des Herzens, jedes Menschenhöchstes Gut, ist der Jungfrau schönster Schmuck. Die Häßlichewird liebenswürdig durch dieselbe, und alle Anmuth des Leibesverliert ihren Zauber, wo die schöne Gestalt ein von Leidemschäften, bösen Launen, unanständigen Empfindungen vergiftetesHerz trägt.
Das Wort, in welchem sich aller Adel, alle Liebenswürdig-keit des Weibes ausdrückt, heißt Unschu ld. Sie ist die er-habenste Zierde der Jungfrau, der Grund aller weiblichenTugenden. Der Wüstling hat Achtung, der Barbar Ehrfurchtvor dem zarten Wesen, welches noch von der Majestät seinerweiblichen Ehre umgeben ist. — Das Weib ist nichts mehr —es ist laut und leise verworfen von Allen, wenn es gemißbrauchtund entweiht dastehen muß. Aerntet es nicht Verachtung vonallen Seiten, so ärntet es Mitleiden, welches nicht wenigerkränkend ist. Oer Bessere zuckt bedauernd die Achseln; die Schlech-tem geben Spott und Hohngelächter, und wissen es noch nachvielen Jahren am Sargv der Beklagenswürdigen zu erzählen.