Druckschrift 
5 (1837) Andachtsbuch für die Jugend
Entstehung
Seite
8
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Die Sucht und das Elend des Zweifelns hängt sich gerndemjenigen Lebensalter an, welches zwischen dem unmündigenund dem reifem Alter mitten inne liegt. Häufig wird gefunden,daß das Kind wahrhaft kindlich glaubt, betet, liebt; dann, beimEintritt in die Welt, als Erwachsener unter Erwachsenen, beimersten Selbstforschen und Selbstdenken in religiöses Zweifelnverfällt; und als Mann wieder den Glauben, die Ueberzeugungund die verlorne Seelenruhe findet.

Daß die Zweifelsucht in religiösen Dingen eben jenes Lebens-alter der ersten erwachenden Geisteskräfte am meisten verfinstert,rührt nicht daher, daß der Jüngling, der junge Mann oderdie Jungfrau dann den Gipfel ihrer Einsichten erreicht haben.Sie haben erst vor Kurzem die Kinderschuhe abgelegt. IhreErfahrungen über Welt, Natur und Schicksale sind noch dürftig,ihre Urtheile daher noch sehr unreif. Der Grund der Zweifel-sucht liegt vielmehr im Mangel der Einsicht und in der un-richtigen Anwendung ihrer Seelenvermögen.

In jenem Lebensalter, da der Verstand erst recht zu er-starken anfängt, wird oft statt seiner die Einbildungskraftgebraucht. Manches, was man in der Kindheit gehört undgelernt hat, zeigt sich nun, bei näherer Prüfung, unhaltbar undunglaubwürdig oder dem gesunden Menschenverstände wider-sprechend. Man verwirft es und erschrickt. Man wird gegenandere Lehren der Kirche argwöhnisch. Man will auch diese derPrüfung unterwerfen, und es cntspinnen sich Zweifel. Manliefet Bücher, ohne Kcnntniß vom Werth der Verfasser; hältabsprechende Urtheile für untrügliche, witzige Einfälle für Be-weise, und das Scheinbare für das Unläugbare. So wird dieVerwirrung größer; der Hang zum Bezweifeln dessen, wasman sonst für wahr hielt, mächtiger; und endet damit, Alleszu verwerfen. Nichts zu glauben. So entsteht wahrhaft innereIrreligiosität, der traurigste, beängstigendste Zustand im ganzenLeben. Und eben darum ist er beängstigend, weil er unnatürlich,das heißt, im vollsten Widerspruch mit dem Wesen und Gefühldes Geistes, ist. Alle Verknüpfung desselben mit einem lebendigenGott, mit dem ewigen Sein, ist abgerissen. Man steht einsam im