Druckschrift 
5 (1837) Andachtsbuch für die Jugend
Entstehung
Seite
7
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Des Schicksals rufen sie zum Gebet. Dieselben, die da oft überLeu Beter scherzten sie beten. Die an der Unsterblichkeit desGeistes zweifeln möchten: sie erwarten die Ewigkeit mit Zu-versicht, weil der Gedanke und die Ucberzeugung unausrottbarrst. Selbst der Gottesleugner wenn es je einen gab glaubtLn Gott. Der verworfenste Bösewicht glaubt still an Gott.Auch die Teufel glauben an einen Gott, sagt die heilige Schrift,Mld zittern.

Die Religion ist ein unabänderliches Bedürfnis der mensch-lichen Natur. Die Religion ist nichts Erfundenes, nichtsvom Menschen Gemachtes. Sie ist der Hauch, das Denkenund Leben des Geistes selbst. Daher haben wir nicht nur inmnsern Zeiten eine Religion, nein, alle Jahrtausende hatten sievon jeher. Nicht nur wir haben sie unter unfern wohlunterrich-teten Völkern; nein, auch wilde Indianer jenseits der Welt-meere, ehe sic der übrigen Welt bekannt geworden sind, hatten" sie, und haben sie noch. Freilich, ihre religiösen Vorstellungensind verworren, armselig, mangelhaft, weil ihre Verstandes-kräfte irre geleitet oder zu wenig geübt und entwickelt sind. Sowaren ja auch unsere eigenen religiösen Vorstellungen, die wir»n den ersten Kinderjahren hatten, sehr armselig, und nun wirsuf höherer Erkenntnißstufe stehen, nun unser Verstand gebildeter»st, scheinen uns dieselben oft sogar lächerlich. Aber wenn auchder rohe Wilde das Geschaffene statt des Schöpfers anbetet;wenn er auch, statt der Gottheit ein heiliges Herz zu bringen,Thierc zum Opferaltar bringt: cs ist Religion, es ist Religiosität;-es ist Verknüpfung seines Geistes mit dem Unsichtbaren, Ewigen,Unbekannten. Das eben ist das Verdienst Jesu Christi, daßer in die Welt kam, die Menschheit aus dem Finstern zum Licht,^om Vergänglichen zum Unvergänglichen, vom Jrrthum zurWahrheit zu führen, uns zu erlösen von der Gewalt derSünden, und uns ins Heiligthum Gottes zu erheben.

Eigentlich ganz ohne Religion sind nur der Wahnsinnigeund der Zweifler. Dieser ist ein Gemüthskranker, wie esJener ist.