Druckschrift 
5 (1837) Andachtsbuch für die Jugend
Entstehung
Seite
6
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Warum wäre deinen Jahren der Ernst der Religion zufrüh? Wahr ist's, der Gedanke an Gott und Ewigkeit ist ernst,weil er der erhabenste von allen ist, welche der Sterbliche aus-sprechen und denken kann. Aber eben dieser Ernst des Gedankensgibt die lauterste Heiterkeit des Gemüths; bewahrt vor Fehl-tritten , und gibt daher ein freudiges Gewissen; verleiht Ver-trauen auf eine dich liebende Gottheit, und macht dich daherfurchtlos gegen Alles, was dir begegnen kann. Der religiösesteMensch ist der froheste. Der Irreligiös: taumelt und schwanktzwischen Ausgelassenheit der Freude und des Schmerzes; ist sichselten selbst gleich; in Keinem mäßig; mehr unglücklich, auchwenn er lustig zu sein scheint, als glücklich und froh in seinemInnern. Die Religion, weit entfernt uns finster und traurigzu machen, gibt unserer Lust erst die rechte Würze, und inStunden des Leidens dem Gemüth jene unerschrockene Größe,deren Gefühl süßer, als jedes andere Vergnügen ist.

Glaube nicht, daß deine Freunde und Freundinnen ohneReligiosität sind, weil sie von religiösen Dingen selten oder niesprechen. Sie haben ihre einsamen Stunden, in denen sich ihreHände falten, ihr Herz geheim zittert, Hr Auge gen Himmelblickt, ihr Geist vor Gott redet. Aber die Religion ist jedesMenschen Höchstes, Zartestes, Heiligstes. Darum stellt esNiemand gern ins gemeine Leben zur Schau hinaus. Jeglicherbewahrt das Kleinod im Innersten. Jeglicher weiß, wie er mitseinem Gott stehet. Warum sollte er Andern davon plaudern?Was könnte es ihm und Andern nützen? Er liefe vielleicht nurGefahr, mißverstanden und verkannt zu werden.

Glaube nicht, daß selbst diejenigen ohne Religion sind,welche aus Leichtsinn oder aus Eitelkeit, und um recht auf-geklärt zu scheinen, oder um geistreich und witzig zu heißen, sichoft so weit vergessen, daß sie über kirchliche Ausdrücke, kirchlicheHandlungen, kirchliche Lehren spotten. Man soll dessen niespotten, was andern Menschen in ihrer Denkart wohlthuendund heilig ist! Aber auch die Spötter, bei aller ihrer Un-besonnenheit, haben in der Tiefe ihres Gemüths die Religion.Das Unglück des Tages, die Mahnung des Todes, die Drohungen