Druckschrift 
5 (1837) Andachtsbuch für die Jugend
Entstehung
Seite
5
Einzelbild herunterladen
 

Tempeln Gottes beten; sahst Gelehrte und Unwissende, Obrig-keiten und Untcrthanen, Greise und Kinder, Reiche und Bettlerbeten. Alle nannten in Ehrfurcht den Namen Jesu. Kennst duihn? verehrst du ihn? vertraust du ihm? Wie, oder wärest du.gleichgültig? Könntest du eine ganze Welt für verirrt halten,Zind dich allein für den Bcsserwissenden?

Du bist auf seinen Namen getauft, und dadurch in die großeGemeinschaft zahlloser Millionen ausgenommen worden, welcheLurch ihn, durch sein.-n Geist, durch sein noch lebendes Worterhaben, stark, heilig und glückselig werden wollen. DarumHeißest du Christ. Kennst du Christum?

Du gingst zum Abendmahl Jesu. Was empfand dein Herzin der Weihestunde, ehe du zum Altar tratest? Ward es nievon heiligen Gefühlen durchströmt, wenn du öffentlich, wie inDeinem Innersten, am Altäre Jesum gleichsam ganz mit dir zu-einem Geist und Leib machtest? Kennst du ihn?

Siche, er ist's, welcher deinen unsterblichen Geist an denLebendigen Gott, an den Vater des unendlichen Weltalls knüpft,der auch dein Vater ist. Siehe, er ist's, der deine Tage, die duauf Erden lebst, mit den Tagen eines andern Lebens, das deinnach der Todesstunde harret, verknüpft. Das ist Jesus, dergöttliche Sohn! Und die durch ihn gelehrte Verknüpfung unsersGeistes mit Gott und Ewigkeit ist die Religion; undwenn du im heiligen Ernste diese Verknüpfung bewirkst undvollendest, Religiosität.

In einem frischen, jugendlichen Alter, unter den heiternbunten Zerstreuungen und Geschäften desselben, scheint es viel-leicht zu viel gefordert zu sein, sich dem Ernst der Religionganz zu weihen. Wahrlich aber, es scheint auch nur so. IstLs dir zu früh, dauerhafte Gemüthsruhe, dauerhafte Seelen-heiterkeit, dauerhafte innere Seligkeit zu haben? Gewiß nicht.So kommt denn wahrlich die Religion deinen Jahren nicht zufrüh. Ein frommer Greis kann ehrwürdig, eine betende Muttevein rührender Anblick sein. Ein religiöser Jüngling aber, einereligiöse Jungfrau sind nicht minder ehrwürdig, und werdeneben dadurch in den Augen aller Welt nur liebenswürdiger.