Print 
Warum sollen es katholischen Eltern vorziehen, ihre neugeborenen Kinder in den Kirchen taufen zu lassen
Place and Date of Creation
Page
23
Turn right 90°Turn left 90°
  
  
  
  
  
 
 

23

>

gegen die geheiligten Tempel, diese Aufbewahrungsorte der ein-gefleischten Gottheit, diese Schätze der göttlichen Mysterien ha-ben müssen; den Gehorsam und die kindliche Liebe gegen dieKirche ihre Mutter, die die feierliche Taufe ohne sehr dringendeRoth in den Häusern verbietet? Wenn es ein strenges Gesetzfür die Priester ist, in den Häusern nicht zu taufen: wie dür-fen christliche Eltern die Hanstaufc, ohne Gcwisscnsverletzungverlangen? Ein erschlichenes ärztliches Zeugniß wird sic vonder Sünde der Unchrung nicht frcisprcchcn. Die Eltern dürfensolches nicht einmal begehren, wenn sie von der Stärke ihresneugeborncn Kindes überzeugt sind. Wie oft rühmen sich El-tern des gesunden starken neugebvrnen Kindes, das jedoch amTage der geistlichen Wiedergeburt schwach erscheinen muß, da-mit die Taufe im Hause vollzogen werde. Betrügt man da-durch nicht die Kirche? Der Betrug scheint vielleicht in den Au-gen einiger geringfügig, weil doch nur ein Kirchengesetz über-treten wird; aber eben deswegen erwirkt er an der Seele einestarke Wunde. Wie hast du solches dir in den Sinnkommen lassen? Du hast nicht Menschen gelogen,sondern Gott. Apvstelgcsch. V. 4.

Aber die schwache Mutter wünscht dem feierlichen Aktebcizuwohnen, und Theil daran zu nehmen. Wie tröstend,wie erbauend ist cs für das Mutterhcrz, zu sehen, wieihr in Schmerzen gcborncs Kind auch jetzt für Gott, für denHimmel wicdcrgcborcn wird? Mit Freude reicht sie das Kindder Sünde dar, um bald das Kind der Gnade umarmen undan ihre Brust drücken zu können. So wird also die Haus-tanfe wegen der Mutter, nicht wegen Schwäche des Kindes be-gehrt; so werden wir also im allgemeinen alle Taufen in denHäusern verrichten müssen, weil alle Mütter gleiche Rechte zusolchen Tröstungen und Erbauungen haben; so werden wir al-so die Taufe so lange ausstellcn müssen, bis die Mutter starkgenug ist, der b. Handlung persönlich beiwohnen zu können,und damit die Mutter eines vollständigen Trostes aus dieserHandlung genieße, werden wir den ganzen kirchlichen Ritusin der Muttersprache verrichten.

Diese Forderungen widerstreben dem Geiste der katholischenKirche, die bei Ausspendung der hh. Sacramente auS sehr wich-tigen Gründen den Gebrauch der Muttersprache verboten hat.Will eine christliche Mutter sich wahre Tröstungen verschaffen,so kann sie die Erklärungen der Taufccrcmonien in den gedruck-ten Büchern mit größerer Bcdachtsamkcit lesen und erwägen,als wirklich bei der Taufbandlung geschehen kann. Ein from-mer Ehrist wird die Beobachtung des Kirchengcsetzcs einer Pri-vaterbanung, die leicht als eine stolze Anmaßung und Auszrich-

/