6
Drsle Frage.
Ist die feierliche Hauötaufc in der katholischen Kirchestreng verboten?
Um irrigen Begriffen vorzubcngcn, wird bemerkt, daßdie feierliche Tanfe von der Jäh- oder Noth-Taufe dadurch sichunterscheide, daß dabei alle von der Kirche vorgcschricbcueuund sonst üblichen Gebrauche verrichtet werden, da die Noth-tanfc einzig in der Abwaschung mit Wasser und Aussprechnngder Form besteht. — Daß die Nvthtaufe zuweilen in de»Häusern könne und müsse verrichtet werden; ja zuweilen selbstvon dcnHebammcn verrichtet werde, ist im allgemeinen bekannt,weil nach der Lehre der katholischen Kirche die Tansc dasnothwcndigstc Sakrament ist. Diese Nothwcndigkcit ist ankeine Zeit, an keinen Ort gebunden. Ein Anderes ist cs mitden feierlichen (Zeremonien, die zur Erhebung und Vcrsinnli-chung des großen Sakraments angcordnct sind.
Die Taufe wurde von der ersten Wiege des Ehristcnthnmsin der katholischen Kirche mit großer Feierlichkeit von den Bi-schöfen und Priestern verrichtet. Selbst die Aufnahme in dieKlasse der Täuflinge geschah öffentlich in der Kirche, wobeidas Krcnzzcichcn auf der Stirne und die Hände-Auflegungder erste Einwcihnngsakt war. Während dem Unterricht, dermehrere Wochen, oft mehrere Monate dauerte, sprach derPriester feierliche Gebete über die Täuflinge, gab ihnen geseg.nctcs Salz, hauchte sic an und nahm von ihnen das Sundcn-bekcnntnisi auf*).
Bald vor der Taufe mußten alle feierlich in der Kirchevor dem Altar daS Gebet des Herrn beten und das apostoli-sche Glaubensbekenntnis; ablegcn.
Zu der Taufe selbst ward die ganze Gemeinde eingcladcn;und damit sie desto feierlicher möchte verrichtet werden, batteman die Ostern- und Pfingstzcit dazu gewählt, als welche dennallen Christen, der großen Geheimnisse wegen, besonders hei-lig ist. Auch legte man eigene Kirchen für die feierliche Tanfean, die Taufkir'chcn, Laprislerla, genannt wurde», und dievon den andern Kirchen getrennt, ihrer äußern Form nachverschieden waren. Dicß Alles kann man ausführlich ^beschrie-ben lesen in Binterim's Denkwürdigk. I. B. I. Th.
In der Zeit der Verfolgung taufte man, wo und wann
') Nach dem Zeugniß deS h. CbrnsostomuS beichtete» die Täuflingeihre Sünden dem Priester in der Stille. Dieß war also eine ge-heim» odsrOhrenbeicht, wobei alle Sünden einzeln bekannt wurden.