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wenn er in Werthers Leiden auf jeden feinen, aber festenZug, der noch in keinen deutschen Roman je gedrungen ist, hin-weisen könnte; wenn er in Geßner's') Werken die reinemenschliche Natur, ohne den konventionellen Flitterputz fühlte,womit unsere meisten schönen Schriftsteller das Cadaver ihrerWerke auszieren, um mit ihm, wie Leicheukrvnen, zu Grabegetragen zu werden; bewundert von dem Pöbel des Fleckens,der die Bedeutung kennt, aber schon auf dem Weg nach demKirchhof verlacht von dem Ausländer, berste nicht kennt; wenner eben aus diesem Grunde glaubte, daß wenige unserer schönenSchriftsteller so sicher auf Unsterblichkeit rechnen können, alsGeßner: dürfte der Mann sein Urtheil nicht sagen, wenn einGedicht, das er liest, gerade so auf ihn wirkte, als ein Trunkmilchwarmen Wassers auf den müden Wanderer an einem Som-mertag; wenn ihm der lächerliche Trotz auf Deutsch heil unddie thörichte Verachtung der Ausländer, das Pochen auf Frei-heit, unerträglich wird? u. s. w. Aber mit dieser Empfindunghabe ich jene Werke gelesen und, da ich mich dort nicht geirrthabe, warum sollte ich auch nur muthmaßcn, daß ich mich hiergeirrt hätte? Oder gibt es etwa einen eigenen Geschmack fürgerühmte Werke und einen andern für die rühmlichen, sowie ein eigenes für die heiligen und bekannten Namen,und ein anderes für die, die man zum ersten Mal hört? Wenneinmal ein Mann aufstünde, der mit geläuterter Kritik und
') Salonion Geßner, geb. 1730, gest. 1787.
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