Druckschrift 
4 (1844)
Entstehung
Seite
195
Einzelbild herunterladen
 

195

wachte wohl endlich in sich selbst. Ich bin aus vielfältiger Er-fahrung überzeugt, daß mancher schlechte Schriftsteller ein sehrguter hätte werden können, wenn er sich, so wie er war, zunutzen gewußt hätte. Biele beliebte Schriftsteller unter unshaben auch ihren Credit nicht sowohl ihrem absoluten Werthe zudanken, als vielmehr der Schlauigkeit, ihre Wenigkeit Vortheil-haft zu präscntircn. Die meisten Menschen sind bessere Beob-achter, als sie glauben, und kennen den Menschen besser, alssie wissen, es sind nur die falsch verstandenen Vorschriften An-derer, die sie irre führe». Sie machen selbst von diesen Kennt-nissen häufig Gebrauch, allein gemeiniglich nur im Handel undWandel. Sobald sie die Feder ergreifen, so ist es als wennder Unsegen über sie käme, und das gemeiniglich desto stärker,jemehr sogenannte schöne Lectüre sie haben. Sie fangen als-dann augenblicklich an ein Galadeutsch zu sprechen, und Allesist so festlich und buchmäßig, daß gar nichts darüber geht.Wenn sie das ganze Jahr mit ordentlichen, natürlichen Zügeneinher gegangen find, so fangen sie nun so süß und selig anzu schmunzeln, wie alte Jungfern, wenn sie sich malen lassensollen. Es geht ihnen, wie jenem Kammermädchen, die, unterihres Gleichen, sich ruhig überlassen, ganz reines Deutsch sprach,aber immer Klopfstock und Trepfe sagte, sobald sie vornehmreden wollte. Einem Werke also, das bei verschiedenen Stän-den im menschlichen Leben, nicht bloß in Regeln lehrte,sondern durch Beispiele zeigte, worauf man zu achten hätte;eine Menge von Bemerkungen selbst enthielte, keine allgemeine,

13 '