194
auf sich selbst und auf die Natur. Nehmen diese mehr überhand,so möchten die Dichtcrstände im Tempel des deutschen Ruhmsziemlich leer werden, und mancher, der jetzt die Ewigkeit instolzer Ruhe abwartet, sich genöthigt sehen, wieder vor die Thürezu treten. Allein was wäre dann mit den jungen Posaunernund Speichelleckern anzufangen, die ihre Helden so schändlichgetäuscht haben. O die läßt man unter ihrem eignen werthe-sten Namen stehen. Sich in einen Ochsen verwandeln ist nochkein Selbstmord, obgleich nicht geleugnet werden kann, daß esschon ziemlich viel ist.
Allein bis die Zeit kommt, da die Jugend selbst in dieWerkstätten gehen kann, so sehe ich nicht ein, wie man ihnenleichter nützliche Begriffe beibringen könne, als durch den Wegeines Orbis pictus. Nämlich durch ein Buch, worin manihnen allerlei Bemerkungen über den Menschen vorsagte undverzeichnete, wodurch sie, wenn sie doch, ohne die Werkstättenbesucht zu haben, fortschreibcn wollen (und dieses unterlassen siesicherlich nicht), in den Stand gesetzt werden, Alles mehr zu in-dividualisiren, und auch in einer einfältigen Geschichte doch we-nigstens die Illusion so weit zu treiben, als unter diesen Um-ständen möglich ist. Ein anderer Vortheil eines solchen Buchswäre dieser: der junge Schriftsteller (ich rede jetzt bloß von dra-matischen und Nomandichtern) würde desto mehr aufmerksamauf sich und Andere gemacht, je minder gemeinplatzartig dieBemerkungen an sich wären, und lernte das, was täglich durchAugen und Ohren in ihn strömt, mehr appercipiren, und er-