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ranz liest. Der Beifall eines entnervenden Buchs kann daherleicht epidemisch werden, der von einem in die Seele redenden,stärkenden ist allezeit gering. Ein alter Weiser') hat schon ge-sagt, aus jedem Manne läßt sich ein Kastrat machen, aber auskeinem Castratcn ein Mann.
Aber das ist bei weite» noch nicht Alles. Man liest nichtallein Bücher mit Vergnügen, die von kenntnißleercn Köpfenherrühren, sondern man rühmt sogar an ihnen den Mangelan reellen Kenntnissen, oder doch an Büchern. Das ist allesMögliche. Ich weiß hierauf nichts zu erwiedern, als daß ebendieser Mangel Ursache ist, warum die wenigsten von Leuten ge-lesen werden, und werden können, die etwas mehr sind alsFaullenzcr wie sie, und Kraftbarden wie sie. Sie selbst fühlendieses für ihre Personen, aber für ihre Werke wollen sie esnicht fühlen. Sie vermeiden den Umgang von durchschauendenKöpfen aus Furcht, entdeckt zu werden, die durchschauenden Köpfeentdecken das Alles in ihren Werken, nnd weil diese mit Bü-chern keine Complimente machen, so vermeiden sie sie — — inder Stille. Ich bin daher überzeugt, die Eredüscale unsererschönen Schriftsteller würde größtentheils umgekehrt werden, wenndie Männer anfangen wollten zu reden, die immer aus Bcdacht-samkeit schweigen, und hingegen die jungen warmen Herzenschweigen wollten, die jetzt aus Unverstand sprechen. Ist es nichteine seltsame Verblendung in diesen Geschöpfen, daß sie auf ihr
') Arkesilas der Akademiker.
Anm. des Verfassers.