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6) Daß der Maler und der Dichter ihre Tugendhaften schön,und ihre Lasterhaften häßlich vorstellen, kommt nicht von einerdurch Intuition erkannten nothwendigen Verbindung dieser Ei-genschaften her, sondern weil sie alsdann Liebe und Haß mitdoppelter Kraft erwecken, wovon die eine den Menschen an Geist,die andere am Fleisch anfaßt. Malten oder schrieben sie fürein einziges Volk, oder gar für einen einzigen Menschen, sowürde die Volksschönheit, oder das Gesicht der Geliebten, desHerzensfreundes und des verehrten Vaters noch sicherer die Tu-gend empfehlen. So entstanden italienische Christusgesichter.Sokrates, wenn wir ihn nicht näher kennten, würde ein ähn-liches in der römischen Schule erhalten haben. Es ist landes-übliche Schönheit jener Gegend, ohne Spur widriger, und selbstnur bei schwachen Zeichen angenehmer, die sanfteste Gemüths-stille nur wenig aufhebender Affekten. Von der andern Seitehat selbst Schwanz, Schwärze und Klaue dienen müssen, dasLaster und die Bosheit für eine gewisse Classe von Menschenzu zeichnen. Bei andern wühlte der Maler feinere Farben undZeichen, nach Maßgabe seiner Erfahrung. Holbein macht einenschmierigen, häßlichen Betteljuden aus seinem Judas, das erdoch wohl schwerlich war. Die schleichenden Betrüger, zumaldie, die, wo nicht mit einem Kuß verrathen, doch küssende Ver-räth» sind (ich habe ihrer mehrere gekannt und fühle es leidernoch, daß ich sie gekannt habe); ferner die, die wie eine gewisseArt unbrauchbare Hunde Jedermann schwänzeln, Jedermann appor-tiren, und über Jedermanns Stock springen, immer unglaublichIV. S