weissagt der Mensch von Zeitläuften, Erbprinzen, und Witterung,der Bauer hat seine Tage, die die Witterung des ganzen Jahrsbestimmen, gemeiniglich Festtage, weil er da muffig genug istzu physiognomisiren. Jeder Mensch ist des Tages einmal einProphet. Ja, die angehenden Physiognomen schließen sogar ausden Stamm, und die Balthasare scheinen ihnen den Friedrichennachzustehen. Ich glaube, es sind wenig Menschen, die nichtirgend einmal etwas diesem Ähnliches gethan und gedacht haben,so lächerlich es auch klingen mag. Die angenommenen Namensatyrischer Schriftsteller werden nach solchen Regeln zusammen-gesetzt. Wollten wir die Leute, von denen wir nach dem erstenAnblick einheilen, alle durch jahrlangen, genauen Umgang prü-fen, ich glaube, es würde der Physiognomik ärger ergehen, alsder Astrologie. Einbildungskraft und Witz kommen hierbei ge-fährlich zu Statten, daher sind die tiefsten Denker gemeiniglichdie schlechtesten Physiognomen. Sie sind mit einer flüchtigenÄhnlichkeit nicht so leicht befriedigt, da der flüchtige Physiognomein jedem Dintcnfleck ein Gesicht und in jedem Gesicht eine Be-deutung findet. Alles dieses ist aus Jdeenassociation begreiflich.Vergnügen gewähren diese Hypothesen allemal. Wer des Nachtsauf einer Postkutsche gereiset ist, und im Dunkeln Bekanntschaftmit Leuten gemacht hat, die er nie gesehen hat, wird die Nachtüber sich ein Bild von ihnen formirt haben, und sich ain Mor-gen so betrogen finden, als sich der Physiognome an jenemgroßen, feierliche» Morgen betrogen finden wird, an dem sichunsere Seelen zum erstenmal von Angesicht schauen werden.
Einzelbild herunterladen
verfügbare Breiten