haben; bei denen der andern Art hängt das Heil deSVolkes, und ihr eigenes, von der guten Wahl derMinister ab.
ES ist für einen Fürsten nicht so leicht, wie mansich vorstellt, den Charactcr derjenigen, welche er inseinen Geschäften anstellen will, zu ergründen; dennden Privatleuten wird es so leicht, sich vor ihrenHerrn zu verstellen, als es den Fürsten schwer fällt,ihr Inneres den Augen der Welt zu entziehen. Mitdem Charakter der Hofleute geht es, wie mit dem ge-schminkten Gesichte der Frauen; die Ähnlichkeit wirdmit Hülfe der Kunst vollkommen beobachtet.
Könige sehen ihre Unterthanen nie, wie sie imnatürlichen Zustande sind, sondern wie diese erscheinenwollen. Ein Mensch, der sich in der Messe bei derWeihe befindet, ein Höfling am Hofe in Gegenwartdes Fürsten, ist etwas ganz anders, als was er inGesellschaft von Freunden ist, und wen man am Hofefür einen Cato halten würde, gilt in der Stadt füreinen Anakreon. Der öffentliche Wcltwciser ist imHause ein Thor, und mancher stellt mit großem Pompseine Tugend heraus, und fühlt im Stillen den be-schämenden Widerspruch von Seiten seines Herzens.Dieses ist nur ein Bild der gewöhnlichen Verstellung,aber wie wird cS erst, wen» Eigennutz und Ehrgeiz