Druckschrift 
Grundlehren der Chemie für Jedermann : besonders für Aerzte, Apotheker, Landwirthe, Fabrikanten, Gewerbtreibende, und alle Diejenigen, welche in dieser nützlichen Wissenschaft sich gründliche Kenntnisse erwerben wollen
Entstehung
Seite
191
Einzelbild herunterladen
 

191

In den meisten Fallen reicht man mit einer solchen Probeaus, die, wiemansieht, keine große Schwierigkeiten hat. Eineandere, besonders für den Kalkstein anwendbare, den manz> B. prüfen will, ob er zum Brennen tauge, ist diese. Mangießt nach und nach auf 100 Gran gepülverten Kalkstein solange Salpetersäure, als bep einem neuen Zugießen noch ein Auf-brausen erfolgt, setzt nun 100 Gran mit Wasser verdünnterSchwefelsäure zu der klaren, absiltrirten Auflösung und sam-melt den Gyps, welcher sich nach 24 St. niedergeschlagen hat,auf ein Filter, süßt ihn etwas aus, trocknet und wiegt ihn.Ein guter Kalkstein muß hier wenigstens 90 Gran Gyps geben.Erhält man mehr, so ist er um so besser und kalkreicher.

Der Kalkstein dient wie bereits angegeben zur Darstellungdes gebrannten Kalks, so wie als Zusatz beym Ausschmelzendes Eisens aus dem Erze in Hochöfen.

Zum Bauen wird mancher harte Kalkstein angewandt.Aber bcy Chausseen darf man ihn nicht anwenden, theils wegendes den Augen schädlichen Staubes und theils wegen der blen-denden Weiße, welche solche Chausseen im Sonnenschein haben.

Der Marmor dient, wie bekannt, hauptsächlichzu Bild-säulen und Denkmälern. Obgleicher kohlensaurer Kalk ist under selbst von der schwachen Essigsäure zerstört, d. h. aufgelöstwird, so zeigt er sich doch der Luft und den Veränderungen derWitterung ausgcsetzt unveränderlicher und verwittert wenigerals der Granit.

Kreide und Kalkstein zeigen wie der reine Kalk ein besonde-res Bestreben sich mit den Sauren zu verbinden. Daher ihreAnwendung zum Einsaugcn und Abstumpfen schädlcher Säuren.Der s. g. saure Boden wird durch ein Vermischen mit Kreideverbessert. Auch seht man dem Branntweingut, bevor mancs destillirt, etwas Kreide zu, namentlich wo man kupferne Röh-ren anwendet. Diese werden dann nicht so leicht angegriffen.

Der kohlensaure Kalk löst sich in wässeriger Kohlensäureauf. Laßt man in Kalkwasser Kohlensäure strömen, so entstehtanfangs ein Niederschlag von kohlensaurein Kalk, der aber,