145
Auf die thicrischen Körper wirkt das kohlensaure Kalk nichtso heftig als das reine Kali, aber doch noch stark genug umdenjenigen alle Vorsicht anzuempfehlen, welche z. B. wolleneTuche damit walken, Bettfedern damit reinigen, Seide damitenkschälen wollen. Namentlich ist der hiebey anzuwendendeWärmegrad zu berücksichtigen.
Obwohl von erfahrenen Bleichern behauptet wird, eine mitKalkgekochte Potaschenlauge (also eine Uetzlauge, S. 130.)scy im Stande, aus der rohen Leinwand ^ Farbestoff mehrauszuzichen als eine entsprechende Menge Potaschenlauge, sowird dennoch letztere sehr häufig zum Beuchen der Leinwand an-gewandt. Der Hauptnutzen den ihre Anwendung gewährt, be-
steht darin, daß sie zwar anhaltend, aber minder heftig wirktund darum der Haltbarkeit der Leinwandfascr auf keinen Fallnachtheiligwird. Uebri'gensfindetauchhierdiebereits(S. 136.)erwähnte abwechselnde Anwendung von Säure und Lauge Statt.
Das kohlensaure Kali ist ein vortreffliches Schmelzmittel,ein Mittel die Oxyde herzustellen und ihre Metalle schnell inFluß zu bringen. Da cs zu diesem Behuf keine schweselsaureSalze enthalten darf, die gewöhnlich in der Potasche anzutreffensind, so stellt man es sich durch Glühen des Weinsteins dar unduennt dann dieses noch mit Kohle vermengte kohlensaure Kalischwarzen Fluß. Erst nachdem man die Erfahrung gemachthatte, daß durch ein heftiges Glühen von Potasche mit Kohle sichein metallischer Körper, nehmlich das Kalimetall (S. 132.) ent-wickelt, bemerkte man auch, daß dieses sich mit den durch schwar-zen Fluß hergestclltcn Metallen verbindet und sie in ihren Eigen-schaften sehr verändert. Glüht man z. B. Antimon -, -Bley -oder Zinnoxyd mit schwarzem Fluß in einem Tiegel, bey einerHitze die stärker ist als zur Wiederherstellung der Metalle noth-wendig war, so fangen die Metalle, wenn sie abgekühlt sindund längere Zeit an der Luft gelegen haben, von freyen Stückenan sich zu erhitzen (oft bis zu 70 —L0° R.) und entwickelnin Wasser getaucht unter Aufwallen Wasserstoffgas. Natür-lich sind solche Metalle zu dem beabsichtigten Zwecke nicht zuGrdlehren d. Chemie. 10