Wir wollen jetzt, um den Geist des Probabilismus näherzu beleuchten, was freilich auch unten bei specieller Abhandlungder einzelnen Theile der jesuitischen Sittenlehre zur Genüge ge-schehen wird, eine Reihe von praktischen Fällen anführcn. Manmuß es uns hier zu Gute halten, daß wir so viele Beispieleaus dem Gebiete des sechsten Gebotes angeführt haben: es gehtnicht anders; die frommen Väter haben sie mit sichtbarem Beha-gen ausgesucht; wir schreiben ihnen ja nur nach.
1) Escobar stellt die Frage auf: „Jemand hat das Ge-lübde gethan, nicht huren zu wollen, und zwar unter der Strafe,eine Wallfahrt zu thun, wenn er das Gelübde brechen würde.Nun hat er, ohne an das Gelübde zu denken, die genannteSünde begangen: ist er nun verpflichtet, sich der auferlegtenStrafe zu unterziehen? Antwort: Sanchez (t. I. I. IV. e. 22.n. 18) ist der Meinung, er sei nicht dazu verpflichtet, weil eineunverschuldete Vergessenheit oder Achtlosigkeit der Unwissen-heit gleichzuschätzen ist." ")
2) „Jemand hat zum erstenmal Hurerei getrieben; ister verbunden, diesen Umstand in der Beichte anzugeben? Ant-wort: Mädchen sind dazu verbunden wegen der Deflora-tion; Jünglinge aber brauchen es nicht, weil, diese bei ihnennicht stattsindet. So Suarcz (p. 3. et 22. 8evt. 4). Jedochhalte ich es mit Vasquez für wahrscheinlich, daß auch eineJungfrau nicht dazu verbunden ist, wenn sie auch noch unterAufsicht ihrer Aeltcrn steht, weil wenn die Jungfrau aus freienStücken einwilligt, keine Schändung stattsindet; sie begeht dannauch kein Unrecht, weder gegen sich selbst, noch gegen ihreAeltcrn, da sie ja über ihre Jungfrauschaft frei disponiren kann." °°)Welch eine Gottlosigkeit!
3) „Muß man beim Jnceste auch den Grad der Verwandt-schaft angeben? Antwort: Probabel ist es, daß dieß geschehenmüsse, und daß ein Jncest mit der Mutter seiner Art nach ver-schieden sei von einem mit der Tochter oder der Schwester, weilbei jenem der Frevel gegen die Pietät am schwersten ist. Aberich weiß, daß Cajetan (ein üoetor xravis) behauptet hat, cs
öS) Lscobar tkeol. moral. aus dm 24. priricip. Lxamon. II. c. 6.n. 24 p. 9- M) I. c. iz. 4 ^.