XXIII
Hände und Angen gen Himmel erheben, um durchGebet!) und Thranen Gottes Gunst und Gnade zusuchen." —
Nachdem Kempis beinah neben Jahre den Um-gang dieser Männer genossen, fing in ihm jeneInbrunst der Gottesfurcht an zu brennen, derenFunken Florentius so häufig in seine Seele ge-worfen hatte. Er ging daher im Jahr 1399, nochehe Florentius daS irdische Leben verlieh, (denndieser starb erst 1400) in das neu angelegte Klo-ster der regulierten Canoniei des Augustiner-Or-dens zum Berge St. Agnes bei Zwoll, worinsein Bruder Johannes damals Prior war. Da-mit er nicht leichtfinnig und voreilig handele,blieb er sechs Jahre lang in der Probezeit, undverband sich erst im stebenten mit dem heiligenGelübde zum klösterlichen Leben. Hier leuchteteer nun vornehmlich hervor in ausnehmender Gott-seligkeit, in Ehrerbietung gegen seine Obern undin Liebe und Wohlwollen gegen seine Mitbrüder.Dem Müßiggänge als der 'Quelle aller Uebel,gab er niemals Kaum; sondern übte sich entwederim Lesen, oder Abschreiben, oder auch Verfassenheiliger Bücher, womit er oster ganze Nächte,nicht ohne Nachtbeil seiner Gesundheit, zubrachte.So ist unter andern »och von seiner eigenen Handübrig die ganze Bibel in st Theile abgetheilet, wieauch einige Werkcheu deS h. Bernärd's, welcheer mit großem Fleiß, gar kunstreich abgesehriebe».
ES ifi schwer zu sagen mit welchem' ehrerbieti-gen und andächtigen Gemüth er sein geistlichesAmt verrichtete. Wenn er Psalmen saug stander stets mit aufgerichtetem Körper und hatte dieAugen gen Himmel erhoben, und war von der