365
Heiliger, oder ein gemeiner Himmelsbürger (welche Stellesich bescheidene Christen allein wünschen) oder gar ein Ver-dammter sei. Anch die Theologen, die von der Unfehl-barkeit der Kirche reden, obgleich sie nicht wissen, wo sieeigentlich steckt, versichern, daß die Kirche — eigentlichmuß man bei de» Heiligsprechungen sage», der Papst, andessen Jrrthnmslosigkeit aber auch nur zu denken, derVernunft ein Gräuel ist — in Ansehung der Thatsachcn,folglich anch in Hinsicht der Frage: ob dieses oder jenesIndividuum einen hohen Grad der Seligkeit erreicht habe,nicht unfehlbar sei. Vervnins (reßulu Kcloi §. 7. n.4.)schreibt: cs ist nicht gewiß, daß Franciscus oder BlasinS,oder wie er immer heiße, heilig sei. Nicht aber bloß, daßman zweifeln kann, ob dieser oder jener Heilige ein solchersei, so ist sogar die Eristenz einer ganzen Menge von Hei-ligen zweifelhaft. Solche Heilige von ungewissem Daseinsind: Christopherus, Georg ins, Katharina,
Longinus, Mauritius mit 6600 Gesellen, Vero-nica, die 7 Schläfer, Ursula mit ItOOO Gesellinnenund unzählige andere. Im Mittelalter machten es sichPfaffen und Laien zum Vergnügen, die Leute mit falschenHeiligen und falschen Reliquien zu betrügen. Stellt jadoch noch jetzt das Pfaffenthum dem betrogenen Volke Re-liquien ans, die sich an mehreren Orten vorfinden undüberall für acht ausgegeben werden. — Daß die Anru-fung einer Fürbitte der Heiligen in der heil. Schrift ge-gründet sei, behaupten nicht einmal die orthodoxesten unterden katholischen Theologen, ja selbst das Tridentinische Con-