331
m'tung, uns nicht heiligen? Daher kommt beim großenHaufen der Katholiken der schrecklichste Aberglaube, derdas Ehristenthum schändende Mißbrauch der von seinenPriestern gesegneten Sachen. Dadurch entsteht bei gemei-nen Katholiken jene allgemeine abergläubische Furcht, indemder hoffnungsvolle Glaube aus Gottes väterliche Alleinrc-gierung geschwächt wird. Hieraus quillt ferner wechselsei-tiger Argwohn, Mißtrauen, Haß, Verabscheuung, Betrugund manchmal Verzweiflung *). Selbst seine Sünden,seine Laster schreibt der gemeine Katholik dem Teufel aufdie Rechnung. Er stellt sich vor, daß der Teufel aufder linken Seite unablässig seine Kniffe anwende, um sei-nem Feinde, dem Schutzengel auf der rechten Seite, eineNase zu drehen, und den Menschen zu irgend einemSchelmstück zu verführen. Daher weiß er auch seine Bos-heiten zu beschönigen, und betrachtet sich selbst nicht als han-delnde Person, sondern nur als das unglückliche Werkzeug,wodurch der Teufel seine Gewalt gegen den Schöpfer aus-übt. Daher darf man dem gemeinen Katholiken auch nichtden Glauben an Eeistesbannerci, Schatzgräberei, Wahr-sagerei, Jeichendeuterei, Christophel-Gebet, so wie die vie-len abergläubischen, höchst unanständigen Gebräuche undlächerlichen Segcnssprüche verargen, da ihm die Geistli-chen vorangehen, und sich tagtäglich mit dem Teufel zu
*) Man sehe die schrecklichen Folgen nach, bei I. B. Graser,Prüfung der Unterrichtsmethode der katholisch - praktische» Religio».Laiidk-Hut t806. S. 387 u. d. s. S. 3il4 ruft er flehentlich alleLehrer der Christus-Religion auf, entgegen zu wirken diesem schäd-lichen Wahne.