betet der Priester zum Volk, gleichsam, wie man vomAntonius von Padua erzählt, zu stummen Fischen.Selbst der Kanon ist ganz auf die Thcilnahme des Volkesberechnet. Diesen Widerspruch scheinen aber die gewöhnli-chen Priestern gar nicht zu fühlen. Kein Priester, wie unsdünkt, sagen die Bischöfe der Synode von Mainz 815 . c.1Z. vermag die Messe allein recht zu singen. Denn wiekann er sagen: der Herr sei mit euch! oder: Erhebet eureHerzen! Schon die Alltäglichkeit, noch mehr die öftereWiederholung an einem Tage in jenen Kirchen, wo meh-rere sogenannte Mcsselescr sind, müssen die Privatmesseilihres Ansehens berauben, welches ihre Wichtigkeit zu for-dern berechtigt wäre. Man beobachte nur diejenigen, wel-che täglich Messe lesen, und die sie hören. Sieht man eSdem Priester nicht an, daß das ewige Einerlei aus so ei-nem ungenießbaren Buche weder dem Herzen, noch demVerstände eine kraftvolle Nahrung geben kann.
Man muß in Kirchen gehen, wo an einem Morgeneine Menge Geistlicher Messe lesen. Man kann es vielenan dem ganzen bcngelhaftcn Betragen ansehcn, was sievon der heiligen Handlung denke». Andere sind wahreBravour-Messclcser, die freilich dem Volke angenehm sind,das wie von der Frohne nach Hause eilt. Man nehmenun auf Forderungen der Religion Rücksicht, man ziehein Erwägung die Schwachheiten der Menschen, ihre unglei-chen Launen, ihre oftmalige natürliche Stumpfheit derGefühle, das zuweilige Unvermögen zur hohen, Eeistes-thätigkeit, tägliche Geschäfte, ökonomische Sorgen, dieGefahren und Versuchungen, in die die Priester durch denKathol. Kirche Schlesiens. j /