Druckschrift 
Die katholische Kirche Schlesiens : nebst einem Anh., enth. einige Wünsche eines vieljährigen Seelsorgers
Entstehung
Seite
196
Einzelbild herunterladen
 

196

keine Veränderungen erhält. Also man soll das Leben durchden Tod ansdrücken, weil dieser nur derselbe, d. h. derTod, bleibt. Das kann nur der Kopf eines Römlings ans-hccken. Die Apostel mußten dieses nicht befürchtet haben,Ha sie in der lebenden verständlichen Sprache das Evan-gelium verkündeten, nicht aber das Sanskrit gebrauchten.Auch die Kirche in den ersten Jahrhunderten muß davonnichts gewußt haben. Ferner gerade die Glaubenslehre,die Augustin das allein Nothwendige nennt, wird in allenLändern den Christen in der Muttersprache vorgetragen,deren Wortstun der Veränderung unterworfen ist. DerKatechismus für Deutsche ist deutsch, für Franzosen fran-zösisch, für Spanier spanisch geschrieben; dem Volke wer-den Gebetbücher in der Muttersprache in die Hände ge-geben, die Predigten werden in der Muttersprache gehal-ten, und man fürchtet aus dem Umstande, daß diesenVölkern die Glaubenslehre in der Muttersprache vorgetra-gen wird, so wenig eine Veränderung oder Verfälschungder Lehre, daß man vielmehr denjenigen für einen Nar-ren, für einen Wahnsinnigen, der dem Tollhauseüberliefert werden muß, halten würde, der dawollte den Deutschen lateinisch predigen, lateinisch katechi-stren, weil der Sinn oder die Bedeutung der Wörter indieser Sprache keiner Veränderung inehr unterworfen ist.Freilich war eine Zeit, wo die katholischen Geistlichen ent-weder gar nicht predigten, oder lateinisch verschwatzten,und noch sind keine zwei Decennicn vorüber, wo sie nochihre Predigten halb lateinisch hielten, und auf diesem Pol-ster ihrer Trägheit gut ausruhtcn. So haben die Christen