in der alten Kirche die heiligen Schriften in der Mutter-sprache gelesen, und noch jetzt geben erleuchtete, für dasreine Evangelium begeisterte Männer dieselbe dem Volkeals die reinste Quelle der Lehre des Erlösers in die Hände*).Haben die Teufelsbeschwörung, die abergläubischen Segcns-sprüche, die Gcbetsformcln und das ganze, viele, unverdau-liche Zeug, das sich in den Miffalcn und Ritualen befin-det, mehr Werth, als das reine, von Menschenhand nichtverfälschte Wort Gottes. Dann ist cs ebenfalls eine Lüge,daß die Sprachen der Gelehrten, wenn sie aufgehört ha-ben, Volkssprachen zu sein, unveränderlich bleiben. Manwerfe nur in Du tüunge Lcri^tores rneciiss 6t inlimuelutiiritstis einen Blick, und man wird sich überzeugen,daß eine Sprache von den Gelehrten so verhunzt werdenkann, daß keine Seele von denjenigen, die sie ehemalssprachen, sie verstehen würde. Ist denn die Bedeutung derdeutschen Wörter nicht festgesetzt? Wird man denn jemalsmit dem deutschen Worte „Brot" einen „Stein" bezeich-nen? O Unsinn ohne Gleichen! Was schadet es, daßdie Sprache sich verändert? Die Liturgie ist ebenfalls wan-delbar und ist stets verändert worden. Alles in der Litur-gie ist erst von Menschen durch alle Jahrhunderte herabbestimmt und gemodelt worden. Auch weichen einzelneKirchen und die Mönchsorden in der Feier des Abend-mahls vom römischen Ritus ab. Welche Veränderungenhat nicht die römische Liturgie vom Sacramentarium deFLeo, Gelasius und Gregor bis auf die neueste Zeit
*) Freilich geschieht dies zum Gräuel der röm- Curie.