150
von Seiten der Menschen erfordert wurde, oder endlich beieinem unwissenden, oft betrogenen Volke ihre Rechnungsuchten; endlich andere, theils zufällig, theils geflissentlichherbeigeführte Umstande, haben die Religion verdunkeltund verunstaltet. So wurde der äußerliche Gottesdienst,der seiner Natur nach das erste Mittel sein sollte, dieMenschen zn einer vernünftigen Erkenntniß Gottes und ih-rer daraus fließenden großen Bestimmung zu leiten, dasMittel, die Rcligionsbegriffe zu verfälschen, die Empfin-dungen der Tugend und ächten Frömmigkeit auszulöfchenund das Christenvolk in der dümmsten Sinnlichkeit zu er-halten. Hiezu wirkt vorzüglich die fremde Sprache, in dieder Gottesdienst cingchüllt ist. Alle die Ausgeburten deselendesten Aberglaubens, der verdorbensten in die tiefsteFinsterniß vergrabenen Jahrhunderte befinden sich noch in derLiturgie der Katholiken. Man kann unmöglich unverwerf-lichere Beweise der Geschmacklosigkeit, der Unwissenheitund des Aberglaubens finden, als man in den liturgischenBüchern der Katholiken antrifft. Wie viel Dinge gibt eshier nicht, die dem gesunden Menschenverstände, der Ehri-stusreligion und aller Aufklärung Hohn sprechen? Wieviel Dinge gibt cs nicht in den Ritualen, die ein Geist-licher nicht vornehmen kann, ohne daß ihm die Scham-röthe ins Gesicht tritt und sein Gewissen verletzt wird?Die ganze katholische Liturgie mit ihrer fremden Spracheist nicht fähig, Moralität zu verbreiten. Die Gottesver-ehrungen sind mit gcist- und herzlosen Andächteleien, mitsinnlosen Ceremonien und mit lächerlichem orientalische»Prunke angefüllt; das katholische Volk wird durch blcn-