Druckschrift 
Die katholische Kirche Schlesiens : nebst einem Anh., enth. einige Wünsche eines vieljährigen Seelsorgers
Entstehung
Seite
88
Einzelbild herunterladen
 

«8

§- 9 -

Lage dev Capläne u » d der dotirten insbesondre.

DaS Nerhaliniß der Capläne zu ihren Pfarrern undihre ganw Lage ist so beschaffen, daß jene nothweudig anGeist und Körper verkrüppeln müssen. Eine glücklicheAusnahme machen jene Stellen, die des Königs gnädigerWille in Städten und Dörfern dotirt hat. Diese habenin Städten jährlich 220Thlr., in Breslau aber ZOO Thlr.nebst freier Wohnung. Von eigentlichen Accidcnzien undStolgebühreu hat keiner etwas zu fordern; diese fallenallein dem Pfarrer anheim, cs sei denn, daß irgendwo ei-ne Observanz etwas anders bestimmt hätte. Gewöhnlichessen die Capläne mit ihrem Pfarrer, und werden vondessen Leuten bedient, wofür sie eine Bezahlung nach demErmessen des Pfarrers zu entrichten haben. Sehr häufigtritt aber auch der Fall ein, daß diese Capläne ganz ab-gesondert von ihrem Pfarrer wohnen und ihre eigene häus-liche Wirthschaft führen. Dann ereignet es sich aber auch,daß Capläne und Pfarrer oft ganze Wochen mit einandernicht sprechen, höchstens im Vorübergehcn bei der Früh-messe, oder wenn sie die Noihwendigkeit in Hinsicht pfarr-licher Verrichtungen zwingt.

Besonders trifft dies ein an Kirchen, wo zwei oderdrei Capläne sind. Hier ist durchgängig Gewohnheit, daßder Pfarrer in der eigentlichen Seelsorge nichts thut, son-dern Schule und seelsorgerliche Verrichtungen das ganzeJahr hindurch ohne sich im geringsten zu kümmernde» Capläuen übergibt, wo alsdann, weil die seelsor-gerlichen Verrichtungen der letzlern, wochenweise wech-