Daß eine Erziehung zum äußern Anstande, zur Humani-tät nöthig, und zwar um so mehr nöthig sei, je roher öf-ters die eben abgcgangcnen Studenten ins Priestcrhaustreten, ahndet man gar nicht. Von den Ausbrüchen desrohesten Studentcnlebens könnte ich wahrhaft eine 6Krc>-nic^ris scunäuleuse schreiben*). Schon die ökonomischeEinrichtung des Instituts yagt zu einem unordentlichenLeben bei. Frühstück erhalt kein Alumnus, sondern mußsich dasselbe, wenn er es nöthig findet, kaufen. ZumAufenthalte, aber auch zugleich zum Unterrichte, sind zweimittelmäßige Stuben bestimmt. In ihren Schlafzimmern,wo diesmal in dem einen dreizehn liegen, gibts keine Oefen.Nirgends hat man also ein Plätzchen, wo man etwas fürsich, abgesondert von den übrigen, und in Ruhe lesen oderarbeiten könnte. Die humane Form, die den Jünglinganzicht, den sittlichen Charakter veredelt und bildet, Ach-tung für den Beruf und persönliche Würde erzeugt, undden Geist der Thatigkeit nährt, sucht man umsonst. Fröm-melei, Heuchelei und Sclavensinn sind die natürlichenFrüchte einer solchen Anstalt, und nur mit Trauer könnendie Besseren bemerken, wie diejenigen ihrer Mitgenoffeu,welche sich vorher durch unmoralisches Leben, Rohheit undDummheit ausgezeichnet hatten, jetzt durch Kriecherei,
*) Hoffentlich genügt zn erwähnen, daß hier in manchen Jahrenordentliche Commerce gehalten worden sind. Wenn ich aber nocherwähne, daß ein Alumnus bei einem nächtlichen AnSflugc beimUebersteigen hinter dem Hause in die Oder fiel und bald ertrunkenwäre, was soll man dazu sagen? Labakrauchcn, Kartenspielen,das Singen schmutziger Lieder, daß das Refektorium erbeben möchte,kommt auch vor. —
Kathol. Kirche Schlesiens.
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