Hypothesen in die Physik zu erklären. So bedenklich manes gewöhnlich zu finden pflegt, wenn man Hypothesen zur Er-klärung einer Natur - Erscheinung anwendet, und so oft allerdingsdurch den Misbrauch der Hypothesen dem Fortschreiten richtigerKenntnisse geschadet worden ist, so laßt cs sich doch auch von derandern Seite nicht leugnen, daß wir fast zu keiner Kenntniß gelan-gen, ohne eine Hypothese aufzuwerfen. Wenn wir bei Nacht eineGegend des Horizontes sich erhellen sehen, so fragen wir: kanndenn der Mond dort aufgehen? —> Diese Frage ist eine Hypo-these, deren Richtigkeit oder Unrichtigkeit sich freilich sehr baldentscheiden laßt. Aber ebenso fragen wir, wenn der Blitz einHaus getroffen hat und ohne zu zünden zur Erde herabgelaufenist, ob dies an der Natur grade dieses Blitzes lag, ob cs ein kal-ter Schlag war, oder ob er durch Umstände, die in der Beschaf-fenheit des Hauses lagen, ohne großen Schaden herabfuhr; undwenn wir aus Vergleichung mehrerer Erfahrungen finden, daßder Blitz da, wo er eine Metallleitung findet, ohne das Gebäudezu beschädigen, zur Erde gelangt, so geben wir die Hypothese vondem Unterschiede warmer und kalter Schläge auf, und findendagegen die andre Hypothese, daß es in der Beschaffenheit dergetroffenen Körper liege, wenn der Blitz ohne zu zünden fort-geht, deutlich bestätiget. Auf ähnliche Weise sind wir bei jedemuns neuen Phänomene, auch in dem regelmäßigen Gange derNaturforschung, veranlaßt, zu fragen, ob dies nicht von demoder jenem bestimmten Umstande abhänge, und eben damit habenwir schon eine Hypothese aufgeworfen. Die Pflicht des Natur-forschers ist es nun, zunächst zu sehen, ob die Erscheinung sichimmer an die hypothetisch angenommene Ursache anschließe, zuuntersuchen, nach welchen Gesetzen diese Ursache wirkt, und diehypothetisch angenommenen oder nach Wahrscheinlichkeit vermu-thetcn Gesetze mit dem zu vergleichen, was die Erfahrung ergiebt.Sind die Gesetze dieser Wirkungen einfach, und findet man dieErfolge der Erfahrung entsprechend, so kann man die ausgestellteHypothese als richtig ansehen; muß man dagegen künstlich ver-wickelte Gesetze ausdenken, um hier der einen, dort der andernErfahrung Genüge zu thun, die sich den einfacher« Gesetzen nichtganz gemäß zeigt, so hat man Grund die Hypothese mit Mis-
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